Was in den Menschen steckt, muss herauskommen

Sohbat Sheikh Hassan

30. April 2026, Osmanische Herberge Kall

Alhamdulillah. Shukrulillah … hat der Sheikh gesagt, Maulana Sheikh Muhammad, als er wieder zu Hause war. Er war dankbar für diese Reise und happy auch. Mashallah, es war sehr gesegnet, so wie äußerlich der Himmel auf war. Er war blau vom ersten Tag an und so waren auch die Herzen … nicht blau, sondern grün, inshallah. Es ist ein Geschenk, ein großes Geschenk für uns, und für alle anderen auch.

Man schaut sich die Schöpfung an, was Allah geschaffen hat, alle Arten von Dingen. Es passieren Dinge, nicht wahr? Maulana Sheikh guckt sich alles an, die zeigen ihm alles. Ich wundere mich immer so ein bisschen, weil ich natürlich der Letzte bin, der immer hinterherhinkt, und wenn ich dann da bin, geht er gerade weg. Aber er guckt sich alles an.

Mashallah. Was da tatsächlich passiert, ist, dass er den Segen, den er hat, weitergibt an Menschen und alle anderen Geschöpfe, an die gesamte Schöpfung und auch an die Natur und an alles. Man sieht über die Jahre jetzt die Früchte seiner Führung, seiner Irshad, seiner geistigen Führung. Die Baraka davon sieht man bei den Muriden, bei den Schülern. Es kehrt Ruhe ein, mehr Ruhe und mehr Vertrauen. Fitna ist weniger geworden an manchen Stellen, wo es besonders schlimm war. Mashallah. So sieht man den Segen.

Ja, es sind lustige Sachen passiert an manchen Plätzen vor drei Jahren. Ja, man hat sich beschimpft und gekämpft in einem Haus, vor dem Haus, im Haus. Die Gruppen, verschiedene Gruppen haben sich bekämpft. Wer ist der Sheikh? Wer ist der Amir? Es war wirkliches Durcheinander und Geschimpfe und Geschreie, währenddessen der Sheikh am Tisch saß und sein Eis gelöffelt hat. Er saß ganz alleine am Tisch. Wir saßen auf der Seite auf so einem Sofa und mussten auch bestimmte Sachen aushalten. Der Sheikh löffelte sein Eis mit einem ganz fröhlichen und entspannten Gesicht, als wenn es nichts gäbe außer diesem Eis gerade jetzt. Irgendwann zum Schluss sagt er: „Ja, wenn der der Sheikh sein will, dann ist der der Sheikh.“ Er hat ihm dann die Sheikh-Nummer verpasst und ist dann Wudu machen gegangen und hat mir den Rest von seinem Eis gegeben.

Ja, solche Sachen passieren und wir sagen, das ist okay. Das muss passieren. Es muss herauskommen, was in den Menschen steckt, wenn er auf dem Weg ist — oder den Willen hat, oder die Absicht hat, sich zu verbessern — und das haben wir ja, inshallah, oder sollten wir haben — dass wir dazu da sind, uns zu verbessern. Und das heißt, die Dinge, die uns hindern, auf diesem Weg besser zu werden, aus dem Weg zu räumen, den Weg frei zu machen. Was heißt besser werden? Besser werden heißt mehr Iman zu bekommen, mehr Glauben, klareren Glauben, wahreren Glauben. Den Glauben an Allah wahrzumachen, den Glauben an den Propheten ﷺ wahrzumachen und dann an deinen Sheikh wahrzumachen.

Da gibt es Charakterzüge, die sind wie Vorhänge oder Schleier. Davon gibt es 80.000, hat der Sheikh gesagt. 80 000 Schleier, die verhindern, dass du die Glaubenssicht auf Allah hast. Sie verhindern sozusagen den wahren Glauben. 80.000 Schleier sind 80.000 schlechte Eigenschaften. Die müssen raus, diese schlechten Eigenschaften. Dazu braucht es einen wahren Murshid, wo das funktioniert: die Erziehung, Tazkiyat al-Nafs, die Erziehung des Egos, die Erziehung des Esels. Es funktioniert nur mit der göttlichen Erlaubnis, der göttlichen Unterstützung und der Autorität von Rasulullah ﷺ, die dem Murshid gegeben wird.

Deswegen gab es immer diese Geschichte, die wir schon oft erzählt haben. Da war ein Schüler auf der Suche nach dem Sheikh. Er hatte wirklich eine reine Absicht und wollte seinen Murshid finden, den er für diese Reinigung der schlechten Eigenschaften braucht, um das Ziel zu erreichen. Er ist auf seinen Reisen zu Abdul Qadir Jilani gekommen und hat ihn um Rat gefragt. Er sagte: „Ich reise schon so lange, was soll ich tun? Ich suche meinen Pir, meinen Murshid, meinen geistigen Wegführer.“ Abdul Qadir Jilani sagte zu ihm: „Mein Sohn, reise weiter, suche weiter. Deine Intention ist gut, deine Niyyah ist gut. Geh von Zawiya zu Zawiya und suche.“

„Wenn du in eine Zawiya, in eine Tekke, in einen Dergah kommst und der Sheikh sitzt da an seinem Platz, wo er sitzen sollte, und drumherum sitzen die Muriden alle in Adab, alle leise, keiner sagt was, alle gucken zu Boden … nur wenn der Sheikh was fragt, dann antworten sie … wenn alle Regeln befolgt werden, man dem Gast zu essen und zu trinken gibt und alles in Ordnung ist, dann bleibst du da eine Weile, küsst die Hand des Sheikhs und bittest um Erlaubnis, weiterziehen zu dürfen. Das machst du so lange, bis du in einen Dergah kommst, wo alles durcheinander ist. Gar nicht so, wie es sein sollte. Alle haben einen Turban auf dem Kopf, eine Jubba an, schreien durcheinander und du weißt gar nicht, was los ist. Man weiß auch nicht, wer der Sheikh ist, sie sehen alle gleich aus. Die trampeln dir auf die Füße und sehen dich gar nicht. Wenn du sowas findest, dann such den Sheikh. Wenn du ihn gefunden hast, dann geh hin, küss die Hand und frag ihn, ob du da bleiben darfst für Tazkiyat al-Nafs.“

Das ist der Weg der Barmherzigkeit. Es hängt damit zusammen, dass jeder für sich gezeigt bekommt, was er korrigieren muss, wo es falsch ist oder wo Reinigung passieren muss. Wenn nicht, dann gibt es keine Chance. Der Sheikh kennt seine Schüler ganz genau, alles von ihnen, sogar ihr Schicksal. Aber er zeigt es nicht alles auf einmal. Wenn er dir dein gesamtes Ego in einem Moment zeigen würde — das gesamte Konglomerat von Ego, Shaytan, Dunya und Hawa — dann würdest du sterben. Du kriegst einen Herzinfarkt. Deswegen ist es Schritt für Schritt die Barmherzigkeit des Islam, die Barmherzigkeit der Sunnah und die Barmherzigkeit des Sheikhs.

Erstlich und letztlich ist es natürlich Allahs Barmherzigkeit und Allahs Chance für jeden, um Verzeihung zu bitten, Besserung zu finden und sich zu korrigieren. Das größte Ziel ist es, in der göttlichen Gegenwart angenommen zu werden. Mehr geht nicht. Unser Sheikh hat oft gesagt: „Was musst du dazu sein? Nichts. Du musst Nichts sein.“ Diese Chance gibt es Schritt für Schritt.

Man muss alle 80.000 Schleier zerschneiden, bis einer übrig bleibt. Das ist der Schleier des Lebens, des materiellen Lebens. Nachdem alles erkannt worden ist, bleibt der Schleier des materiellen Lebens als letzter übrig, der erst wegfällt, wenn man stirbt.

Warum ist Naqshbandi-Tariqat die Tariqat, wo dieses Prinzip immer noch funktioniert, heute? Die Naqshbandi-Tariqat ist anders als alle anderen Turuq. In den anderen vierzig Tariqats werden die Schleier der schlechten Eigenschaften, die die Glaubenssicht verhinden, von unten abgeschnitten, von deinem materiellen Sein her — einer nach dem anderen. Aus diesem Grunde bekommen viele Schüler Hals … Zustände, Jazba und alle möglichen Visionen. Sie sehen Farben und Träume und reden viel darüber. Und in der Naqshbandi-Tariqat werden die Schleier von oben nach unten bearbeitet. Da weißt du gar nichts von. Es wird von oben nach unten gearbeitet, bis eben der letzte Schleier übrig bleibt. Das ist der Unterschied, so haben sie es uns gesagt.

Verstehen tuen wir es trotzdem nicht.

„You just follow in the train. Trust in the driver, don’t wreck your brain.

Wait and see, he knows the goal. Your eyes will be opened at the stations of your soul.

No matter what you are doing there, they are with you everywhere.

Walking, talking, eating — the rhythms of the train are beating.“

Du bist im Zug. Es reicht, im Zug der Freunde, der Heiligen zu sein. Aber du musst im Zug sein.

„Every day, to keep your balance, you must be in deep remembrance.

Remember that you are in their train. That relieves your pain.“

Das sind alles Lessons, vertonte Lessons von Sheikh Nazim.

Ihr müsst nicht alleine sein: „Tariqatuna as-sohbah wa l-khayru fi l-jam’iyya“ Wir brauchen die Gemeinschaft. Sag nicht: „Ihr seid mir zu blöd.“ … Wir sind blöd. Und wir haben diese ganzen schlechten Eigenschaften, von denen ich geredet habe. Die haben wir, und damit wird gearbeitet. Und deswegen passieren diese ganzen Sachen. Aber mach nicht den schlimmsten Fehler den man machen kann und sage: „Aber ich sehe das ja bei euch, und ich bin besser als ihr, deswegen mache ich das alleine.“ Du kannst das nicht alleine, das ist ein großer Irrtum. Shaytan wartet darauf, dass jemand sowas sagt, das er sagt: „Ich will nichts mit euch zu tun haben, mit der Tariqat nichts zu tun haben, mit der Gemeinschaft nichts zu tun haben.“ Das will Shaytan. Wisse — oh Bruder, oh Schwester — das ist Shaytan. Der stellt sich dadrüber, sozusagen. Das ist nicht so. Die Jama’ah, die Gemeinschaft ist ein Geschenk. Es ist ein Geschenk, dass du einen Bruder oder eine Schwester hast, die auf dem Weg sind. Man muss die Beziehung pflegen. Besuchen. Wie viele Hadithe gibt es darüber, vom Propheten ﷺ? Einen Bruder für Allah zu besuchen, hat der Großscheik gesagt, ist in dieser Zeit so, als wenn du den Propheten ﷺ selber besuchst.

Möge Allah uns schützen und uns auf diesem Weg sein lassen, so wie Maulana Sheikh Muhammad uns jetzt direkt lehrt jeden Tag.

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