Wie beseitigt man Zweifel im Glauben

Sohbat Sheikh Hassan
05. Juni 2026,19. Dhul-Hijjah 1447
Juma Osmanische Herberge Kall

Sheikh Hassan: Hat einer ne Frage?

Ibrahim: Da gab’s ne Frage aus YouTube. Da hatte jemand auf Englisch gefragt wegen den Zweifeln — Zweifel im Glauben — und möchte wissen, wie er die Zweifel beseitigen kann.

Sheikh Hassan: Wie kann man Zweifel beseitigen, wenn man Zweifel im Glauben hat?

Im Wort Zweifel steckt das Wort zwei. Das ist interessant. Die deutsche Sprache ist immer sehr interessant. Zwei-fel. Nicht Einheit; sondern etwas Zweites kommt dazu. Das ist der Zweifel. Und Zweifel streut Shaytan.

Shaytan ist der Zweifelgeber. Man nennt ihn im Deutschen den Zwietrachtsäer. Da ist wieder dieses Wort: Zwie. Das ist wieder die Zwei. Zwietracht ist die Zwei. Und damit ist auch die Feindschaft zwischen zwei Leuten gemeint — Zwietracht säen. Zwei Meinungen. Jeder hat eine Meinung, und daraus entsteht, je nach Charakter, dann Feindschaft, und Kriege vielleicht — alles Mögliche, was Shaytan anzettelt.

Und das ist seine Aufgabe: Diese Zwietracht zu säen unter den Menschen und sie dadurch ins Verderben zu führen. Das ist Shaytans Aufgabe. Er stellt Gläubige durch Zweifel an ihrem eigenen Glauben auf die Probe. Und die Menschen im Allgemeinen stellt er auf die Probe, durch Zweifel, die so groß sind — nicht nur im Glauben, sondern in allem —, dass sie sich schließlich fragen: „Existiere ich überhaupt?“

Shaytan treibt sie völlig in den Wahnsinn. Der ist ausschließlich das Werk von Shaytan. Es ist seine Aufgabe, für die er von Allah, dem Allmächtigen, die Erlaubnis erhalten hat, sie für eine bestimmte Zeit auszuüben. Und es ist eine Prüfung für die Gläubigen.

Und wir müssen am Glauben festhalten. Die Medizin dagegen ist der Glaube. Und Hilfe zu erbitten bei Allah, subhana wa ta’ala — „Audhu billahi min ash-Shaytan ir-rajim“ für alles zu sagen. „Bismillah ir-Rahman ir-Rahim“ — es im Namen Allahs zu tun und seinen Glauben zu stärken und den Weg nicht zu verlassen.

Auch wenn Zweifel kommen, und solche seltsamen Gedanken kommen, dann ignoriert man die. Man ignoriert sie und folgt seinem Weg.

Allein die Tatsache, dass du diese Frage stellst, bedeutet, dass du dir dessen bewusst bist. Du bist dir der Tatsache bewusst, dass es da manchmal Zweifel gibt. Wenn du das weißt, ist das sehr gut. Wenn du es nicht weißt, ist es schwierig. Aber da du es weißt, kannst du zu deinem Glauben zurückkehren. Und Allah hilft dir, Er hilft einem. Er hilft dem, der auf Seinem Weg ist — und der wünscht, seinen Glauben zu stärken und seinen Glauben perfekt zu machen und auf diesem Weg ist — dem hilft Allah ﷻ.

Niemand kann ihm helfen außer Allah. Allah wird ihm helfen. Und diejenigen, die Allah ﷻ dafür einsetzt — natürlich — die Propheten und die Heiligen.

Du darfst nicht auf Zweifel hören. Wenn Zweifel aufkommen, haben sie keine Grundlage — es gibt keine Realität. Es ist nur eine Einflüsterung des Shaytan. Denn Glaube ist Glaube. Allah ist der Einzige, der existiert, und daran gibt es keinen Zweifel. Die Zweifel werden gelöst werden, wenn man auf dem Weg bleibt — wenn man auf der Sunnah des Propheten, sallallahu alayhi wa sallam, bleibt und auf dem Weg ist. Und im Koran steht sehr oft, an vielen Stellen: „Das Buch, an dem es keinen Zweifel gibt.“ Oder, „Die Offenbarung, an der kein Zweifel zu finden ist.“

Die Worte Allahs sind ohne Zweifel. Es steht oft im Koran, es wird uns gesagt, und da muss man einfach drauf hören — einfach drauf hören und es annehmen, so wie man alles andere annimmt. Und schließlich hast du ja einen Sheikh, einen geistigen Wegführer, der dich unterstützt in deinem Unterfangen, deinen Glauben zur Perfektion zu führen, inshallah.

Und deswegen … wenn solche Sachen einen quälen und Zweifel da sind — die nicht wirklich da sind, aber die dann erscheinen —, dann hilft dein Sheikh dir. Allah hilft dir, der Prophet ﷺ hilft dir, und tatsächlich, als Akteur, ist dein Sheikh, dein Murshid jemand, der dir hilft.

Und es gibt Zweifel in verschiedensten Gebieten und Shaytan ist sehr erfolgreich damit, die Muslime zu verunsichern — Muslime weltweit zu verunsichern. Die sind sich hierüber nicht sicher, darüber nicht sicher. Vor allen Dingen über Tariqat — über Tariqat, über einen Sheikh, über einen Murshid sind sie sich überwiegend einig, dass es das nicht gibt.

Da ist Shaytan sehr erfolgreich gewesen darin, die Muslime zu unterrichten, zu sagen: „Tariqat gibt’s nicht.“ Wenn du hier in Deutschland nachfragst, in deutschen Moscheen oder bei deutschen Treffen, sagen sie: „Tariqat? Nee.“

Das hat Shaytan geschafft. Das hat er geschafft. Da hat er auch hart dran gearbeitet und die besten Monster, die größten Shaytane, die größten Dajals dazu benutzt.

In der Türkei hat er ein Riesenmonster benutzt, um alles schlecht zu machen. Die Muslime haben geschlafen — diejenigen, die es verhindern hätten müssen —, und er hat den einfach den Khalifen weggeschickt, in der Türkei. Und die Khalifen waren Tariqat-Leute — alle. Es war ganz normal, die ganze muslimische Welt war in Tariqat. Oh, ihr Muslime, wacht mal auf. Lest doch mal zur Abwechslung Geschichte.

Oder könnt ihr nicht lesen? Oder wisst ihr nicht, was die gemacht haben? Und es gibt Tausende Beispiele, Zehntausende Beispiele — wisst ihr das nicht?

Das ist ja so wie bei den Christen. Die leugnen den Islam. Die sagen: „Das gab’s gar nicht.“ In den Schulen wird unterrichtet, dass es das gar nicht gab — in der Geschichte —, das Osmanische Reich. Also, ich habe davon nichts gehört. Vielleicht einen Satz oder eine halbe Seite im Geschichtsbuch über den Islam. Das gab’s einfach nicht. Das gibt’s nicht. Das sind Leugner, Verleugner, Kafire — die decken die Wahrheit zu. Sie decken sie zu, machen sie unsichtbar, damit man sie nicht sieht.

Und das haben die gemacht. Ja, Muslime, schaut doch mal. Was war denn mit den Sultanen? Die hatten doch alle entweder einen Sheikh, oder sie waren selber Sheikh und Murshid. Und sie haben das gepflegt — die Tariqat, das Dhikr, die Dergahs — ohne Ende, und haben das auf der ganzen Welt verbreitet. Von der Türkei bis Spanien gab’s das, in ganz Nordafrika und bis nach China auf der anderen Seite. Und das gibt’s immer noch. Es gibt immer noch einige. Es gibt noch Dergahs, es gibt noch Murshids, es gibt noch Tariqat.

Wie sagt ihr dann: „Das gibt’s nicht. Wir haben Koran und Sunnah“?

Natürlich haben wir Koran und Sunnah. Was haben wir denn sonst? Wir haben nur Koran und Sunnah. Und wer ist das, der am meisten Koran und Sunnah lebt? Ja, wer denn? Zeig mir doch mal. Der Professor so und so? Und Doktor so und so, der im Westen seinen Doktor gemacht hat für Islamwissenschaften … Der?

(Sheikh Hassan breitet fragend die Arme aus und hält einen Moment inne.)

Es gibt Murshids, es gibt Sheikhs. Es gibt wahre Menschen. Es gibt die Sadiqin, es gibt die Vertrauenswürdigen — das steht alles im Koran. Könnt ihr Koran lesen? „Oh, ihr seid ja Araber.“ (mit ironischem Tonfall)

Die Araber sind ja am schlimmsten.

„Koran und Sunnah.“

Natürlich Koran und Sunnah, nichts anderes. Was macht denn Tariqat außer Koran und Sunnah? Und keiner macht es so gut wie sie. Können wir dir zeigen. Wir setzen uns gerne hin. Wir können gerne mal vergleichen. Aber ihr kommt ja nicht. Ihr traut euch ja nicht, weil … es könnte ja die Wahrheit auf den Tisch kommen. Wenn es um Fakten geht, dann zieht ihr euch zurück. Wenn die Fakten auf den Tisch kommen sollen, dann zieht ihr euch zurück. Dann kommt ihr nicht, dann seid ihr feige.

Das sind die eigentlichen Probleme. Das kann man auch Zweifel nennen und das sind wesentliche, große Probleme für die ganze Ummati Muhammadi — dass sie das nicht akzeptieren: „Wir akzeptieren das nicht.“

Und es gibt nur diesen Weg. Es gibt nur den Weg des Koran und der Sunnah — da stimmen wir völlig mit ein. Und das hundertprozentig. Oh, meine Brüder und Schwestern, Muslime in Deutschland und überall. Hundertprozentig.

„Was ist Tariqat?“ — Da hat unser Sheikh, Großsheikh Abdullah, geantwortet: „Es ist Sharia Azima.“

Lebst du die Sharia zu tausend Prozent? (Der Scheich zieht fragend die Augenbrauen hoch.) Und trotzdem lehnst du die Tariqa ab?

Wer sind deine Führer? Die Doktoren, die Professoren — die so stolz darauf sind, einen Professorentitel an einer westlichen Universität im Bereich Islam zu haben. (Lacht leise.)

Sharia hundertprozent. Stark. Das ist Tariqa.

Was wollt ihr? Zeigt mir eure Sharia. Und eure Sunnah. Ich zeig dir jemanden, der die Sunnah lebt — und das 24 Stunden am Tag, und zwar jede Minute, ohne Pause. Falls ihr das mal kennenlernen möchtet — in einem lebendigen Beispiel. Du wirst mir von dieser Person keine einzige Minute zeigen können, in der du sagen kannst: „Was er jetzt tut, ist aber nicht von der Sunnah. Was er tut, steht nicht im Koran.“

In vierundzwanzig Stunden wirst du mir von dieser Person nicht eine solche Sache zeigen können. Aber er könnte dir zeigen, dass von dem, was du tust, in vierundzwanzig Stunden vielleicht nur eine Minute Sunnah ist — oder vielleicht fünf Minuten, oder insgesamt eine Stunde. All deine Gebete zusammen – ja, das ist Sunnah, und es ist Fard, und du verrichtest sie. Und du liest den Koran, und mehr …

Aber du beobachtest dich selbst nicht — mit welchen Gefühlen du das tust, wie stolz du bist, wie neidisch du bist. Was ist mit deinen achtzigtausend schlechten Charaktereigenschaften? Was ist mit denen? Lässt du sie einfach so stehen?

Der Islam dient der Reinigung. Der Islam dient der Vervollkommnung des Charakters. Der Prophet ﷺ sagte: „Ich bin gekommen, um den Charakter der Menschen zu vervollkommnen.“ Das ist wichtig. Wer sich darauf konzentriert, wird keine Zweifel haben. Wenn er sich auf die Tariqa konzentriert und der Shaytan ihn angreift, kann er seinen Sheikh um Hilfe bitten. Sein Sheikh ist ebenfalls ein großer Helfer — er hilft dir. Du kannst es nicht allein schaffen.

Und dies ist das zweite Zeitalter der Ignoranz — asr thani min al-jahiliyyah. Eines war vor dem Propheten ﷺ und das andere ist jetzt, im Moment. Und dieses was jetzt ist, ist schlimmer. Früher waren die noch besser drauf als jetzt. Möge Allah uns schützen, inshallah — vor Angriffen von Shaytan, Nafs, Hawa und Dunya — und uns dankbar sein lassen, auf diesem Weg sein zu dürfen.

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