Gib dein Nafs auf und finde Frieden

Sohbat Sheikh Hassan
Big Dhikr, 17. Oktober 2026, Sufizentrum Kassel

Dies ist eine Versammlung, die nennt man Sohbat. Sohbat kommt von Zusammensein. Sahaba sind diejenigen, die zusammen waren und sind, die mit dem Propheten ﷺ zusammen sind – Ashabil-Kiram. Und wir sind mit unserem Sheikh zusammen, inshaAllah. Wir machen die Absicht, mit unserem Sheikh zusammen zu sein, der versprochen hat, in so einer Versammlung da zu sein. Sonst können wir gar nichts machen. Was sollen wir machen? Nichts – mit unseren Egos. Was willst du machen? Nichts. Aber wenn der Sheikh sagt: „Ich bin dabei“, dann haben wir eine Chance – jeder. Jeder verbindet sich mit dem Sheikh. Einer redet, das spielt keine Rolle. Aber alle sind mit dem Herzen mit dem Sheikh, mit unserem Murshid. Und das ist das Prinzip vom Din. Wie sagt man auf Deutsch? Manche sagen Religion, manche sagen Weg … der Weg des Menschen. Der Weg des Menschen, sein Weg. Sein Weg von A bis Z, von Geburt bis zu seinem Tod. Und deswegen bitten wir um Unterstützung, inshaAllah.

Mögen sie unsere Herzen öffnen. Ya Allah, lass uns mit Deinen Freunden sein, inshaAllah, auf dass sie uns helfen. Und Du bist der Eröffner. Ya Fattah. Und sie sind die Akteure, sozusagen, die Allah einsetzt, um unsere Herzen zu öffnen. Möge Allah unsere Herzen öffnen, inshaAllah. Ya Allah, öffne unsere Herzen, damit nichts zwischen uns steht – nichts. Nichts soll dazwischenstehen. Zwischen uns und Dir und zwischen uns Brüdern und Schwestern soll nichts stehen. Was soll da stehen? Was soll da stehen außer Shaytan, außer Nafs al-Ammara bis-Su und Dunya und Hawa (Wünsche)? Oder? Noch was anderes? Nee, nur das. Bei allen Streitigkeiten, bei allen Uneinigkeiten, bei allem, was wir als schwer empfinden, steht nur das dazwischen. Nur wir sind verantwortlich – die Feinde, unsere Feinde, die vier Feinde, die alle innen drin sind. Äußerlich gibt es keinen Feind. Gibt es nicht. Das ist Einbildung, völlige Einbildung.

„Ich will das haben, und du willst das auch haben.“ Das ist eine Einbildung, eine Illusion. Du hast es sowieso nicht. Du hast es nicht. Allah nimmt dir den Atem, und du gehst rüber ohne alles. Und denke an deinen Atem. Denke, dass dies dein letzter Atemzug ist. Und was würdest du tun, wenn du wüsstest, dass dies dein letzter Atemzug ist? Was tust du in deinem letzten Atemzug? Was? Du hast noch einen Atemzug. Was machst du damit? Du sagst, „La ilaha illallah. Astaghfirullah. Ya Allah, vergib mir. Vergib mir.“

Und Allah hat es so eingerichtet, dass der Mensch die Verantwortung übernimmt. Keiner wollte die Verantwortung haben – nicht die Berge, nicht der Himmel, nicht die Erde. Nichts war groß genug und stark genug, um Verantwortung zu übernehmen. Nur der Mensch. Der Mensch hat gesagt: „Ich mache es.“ Und er ist dreist. Dummdreist. Steht im Qur’an. „Ich mache es sofort.“ Alle anderen haben gesagt: „Es ist zu schwer.“ Welche Ehre! Welche Ehre gibt uns Allah ﷻ? Was ist das für eine Ehre? Was ist das Geheimnis? Welches Geheimnis legt Er in den Menschen hinein, dass er sagt: „Ja“? Was muss der tragen? Natürlich muss er tragen. Guck mal, was er tragen muss: Krankheit, Tod, Krieg – alle Arten von Krankheiten, alle Arten von Unglück, alle Arten von Trauer muss er tragen. Und trägt er. Und trägt er. Und der Gläubige trägt es. Und er weiß, dass das eine Ehre für ihn ist, im Grunde genommen – eine Ehre und eine Weisheit.

Im Unglück, in der Krankheit, in der Trauer und in den schlimmen Dingen, die zwischen den Menschen auf diesem Planeten passieren, liegt Weisheit. Es ist Weisheit darin, dass er das trägt, dass der Mensch das trägt. Das gibt ihm Ehre. Das ist die Ehre. Das gibt ihm Ehre. Und je besser er es trägt, mit umso mehr Ehre er es trägt, desto besser ist es für den Menschen. Und die Weisheit werden wir im Jenseits erfahren, inshaAllah. Wenn nicht hier, dann im Jenseits. Warum? Welche Stufen hat ein Mensch, der leidet? Welche Glückseligkeiten bekommt ein Mensch, der krank ist? Welche Glückseligkeiten sind das? Was sind das für Glückseligkeiten? Die kann man nicht beschreiben – unbeschreibbar. Wenn wir sie wüssten, wenn wir irgendwie darüber Bescheid wüssten, dann würde jeder sagen: „Ich will krank sein. Gib mir das, gib mir! Ich will das auch haben, was der hat oder die hat.“

Und wir würden nicht die Welt sammeln, die Werte dieser Welt einsammeln, Geld einsammeln, Gold einsammeln, Silber und alle weltlichen Güter ansammeln – überhaupt nicht –, wenn wir wüssten, was Allah für uns hat und warum Er uns hier auf diese Erde gebracht hat. Möge Allah uns das geben. Ya Allah, gib uns. Du gibst. Mach uns empfänglich, dass wir empfänglich dafür werden. Gib uns Verständnis – das rechte Verständnis, das richtige Verständnis, das echte Verstehen, das nützt.

„Schütze uns vor einem Wissen, das uns nichts nützt“, sagte der Prophet ﷺ.

„Audhu billahi min ilmin la yanfa.“

Es hat keinen Nutzen. „Schütze mich vor einem Wissen, das mir gar nichts nützt.“ Die Menschen sind beschäftigt mit Wissen, das ihnen überhaupt nichts nützt – gar nichts. Ein ganzes Leben lang verbringen sie damit – mit Wissenssammlungen, die ihnen nichts nützen. Gar nichts. Ein ganzes Leben. Ein ganzes Leben verschwendet.

Ya Allah, gib uns Wissen, das uns nützt, das unsere Herzen beruhigt. Und unsere Herzen beruhigt das Wissen über Dich, o Allah. Nur das Gedenken an Allah kann das Herz beruhigen, nichts anderes. Du kannst nicht zufrieden sein. Beklag dich nicht. Beklag dich über nichts. Du kannst dich nicht beklagen. Es gibt keine Klage. Wenn du an Allah denkst, bist du zufrieden. Wenn du weißt, dass Allah mit dir ist, bist du zufrieden. Allah sagt: „Ich bin mit dem, der an Mich denkt.“ Oder: „Wenn jemand an Mich denkt oder irgendetwas über Mich denkt, dann bin Ich das schon. Ich bin da. In diesen Gedanken – das bin Ich.“ „Und wenn sich jemand hinsetzt, um Meiner zu gedenken,“ sagt Allah subhanahu wa ta’ala, „dann sitze Ich mit ihm. Dann sitze Ich mit ihm, dann bin Ich mit ihm.“ MashaAllah.

Und wenn das so ist – und wir bitten darum, Ya Allah –, und wir haben einen Murshid, einen Sheikh, der uns da hinführt und hinführen möchte, dann wird nichts zwischen uns sein. Gar nichts. Nichts außer Allahs Schönheit. Keine Trauer, keine Furcht, keine Schranken. Nichts. Nur Schönheit, Licht, Wohlwollen und Vertrauen. Das ist Friede. Da waren heute zwei Damen da, die haben gesagt: „Wir sind Friedensmissionare.“ Ja. Ja. „Wie willst du Frieden machen?“ „Ja, wir rufen den an und den. Wir haben so viele Vereine auf der ganzen Welt, sind vernetzt, und wir machen Frieden.“ Klappt nicht. Klappt nicht. Mach Frieden mit dir selbst. Mach Frieden mit Allah. Islam ist der Friede. Allah hat den Islam gegeben. Da brauchst du keinen interreligiösen Dia-LÜG – brauchst du nicht. Nimm Islam. Sei Muslim. Ergebe dich, gib auf. Khalas, finish, gib auf – und du findest Frieden. Gib dein Nafs auf und du findest Frieden.

Und wie heißt das? Islam. Und wer hat das gegeben? Allah subhana wa ta’ala – der Einzige. Es gibt ja nichts außer Allah. Du denkst, es gibt noch was anderes außer Allah? Nein, es gibt nichts anderes außer Allah. Du sagst auch immer: La ilaha illallah, la ilaha illallah. Ja, ja – la ilaha illallah. Nichts anderes. Und dein Sheikh, der ist so – der hat das verwirklicht. Er hat es verwirklicht. Seine Persönlichkeit ist verschwunden, hat sich aufgelöst – Annihilation. Fana nennt sich das. Da ist nichts mehr. Der hat nichts anderes zu tun, außer mit Allah zu sein – dein Sheikh, dein Murshid. Der ist nur mit Allah.

Deswegen: Wenn du mit ihm bist und Rabita machst – und Rabita ist die Grundlage für Naqshbandiyya Tariqat, Rabitatu Sharifa, so sagt man, so heißt es und so steht es geschrieben –, dann bist du mit ihm. Und das ist das Beste, was du tun kannst. Du kannst nichts Besseres tun, als mit deinem Sheikh zu sein. Wenn du nicht körperlich mit ihm sein kannst, dann kannst du mit ihm in Rabita sein, von Herz zu Herz. Ansonsten ist es am besten, auch körperlich mit ihm zusammen zu sein.

Einer ist gestorben – ein großer Sheikh, ein Kingsize-Heiliger, ein Wali. Und der Schüler hat ihn in der Nacht im Traum gesehen und hat ihn gefragt:

„Jetzt, da du auf der anderen Seite bist, o Sheikh, sag uns: Was ist die beste Handlung, die wir tun können? Was ist die beste Handlung, die nützlichste und effektivste Handlung in unserem Leben, die wir überhaupt tun können?“

Dann hat der Sheikh gesagt: „Begib dich in die Gegenwart eines Heiligen.“

Die beste Handlung ist für einen Menschen, sich in die Gegenwart eines Waliullahs, eines Gottesfreundes, zu begeben. In seine Gegenwart – das ist das Beste. Danach gibt es nichts Besseres. Seine Gegenwart repariert automatisch; repariert dich, bringt dich in Ordnung, bringt die Dinge an ihren Platz – weil die Dinge nicht an ihrem Platz sind. Die Dinge sind schräg und schief, und es ist nicht alles an seinem Platz. Deswegen taumeln wir durch die Gegend, prallen aufeinander und streiten uns und dies und das – weil es nicht an seinem Platz ist. Und seine Gegenwart bewirkt, dass alles an seinen Platz kommt. Da muss gar nichts passieren. Da muss gar nichts. Du musst einfach nur mit ihm sein und das tun, was er dir sagt, und was ansteht, und du wirst gesund. Es braucht Vertrauen. Es braucht Vertrauen und Liebe.

O ihr Missionare des Friedens: Das Prinzip ist Liebe, und der Motor ist Liebe. Das Ganze hat mit Liebe zu tun. Es geht nicht ohne Liebe – ohne Liebe. Man kann es zusammenfassen: Es ist die Liebe zum Propheten Muhammad ﷺ, denn da ist die Liebe. Das ist der Grund der Schöpfung – die Liebe zu Sayyidina Muhammad, von Allah subhana wa ta’ala zu Sayyidina Muhammad ﷺ.

„Für dich, Mein Habib, schaffe Ich die Schöpfung. Wenn es für dich nicht wäre, würde Ich gar nichts erschaffen.“

Warum? Warum? „Ich erschaffe es, um deine Liebe zu vergrößern, das Lob an dich zu vergrößern, die Ehre an dich zu vergrößern, die Liebe zu vermehren.“ Das ist der Grund. Es gibt keinen anderen Grund. Wieso sitzt du hier? Weißt du, warum du hier sitzt? Warum du arbeitest? Warum du dies und das tust? Warum, wie kommt das? Wie ist dieser Planet da? Diese Schöpfung, diese 18.000 Universen – wieso sind die da? Und Tausende, Tausende von Wesen? Aus diesem Grund. Um zu sagen: „Ya Sayyidina Muhammad! Ya Muhammad, Ya Muhammad, Ya Muhammad.“ Endlose Ehre für dich, von Allah subhana wa ta’ala.

Das ist die Liebe. Was willst du, Friedensmissionar? Wo willst du denn hingehen? Und für uns ist der Prophet ﷺ groß – so groß, zu groß. Und unser Sheikh ist da. Und der Sheikh, der vertritt ihn, 100 Prozent. 100 Prozent. Gib deine Liebe deinem Sheikh, deinem Murshid, 100 Prozent. Dann gibst du deine Liebe. Und … stirb in ihm. Sei nichts. Lieb ihn so, dass du ihn tausendmal mehr liebst als dich selbst. Dann nimmt er dich zum Propheten ﷺ, sagt der Sheikh. Und der Prophet gibt dich zu Allah subhana wa ta’ala. Friede – muss man nicht suchen. Muss man das? Allah gibt es uns ja schon.

Möge Allah uns helfen, inshaAllah, unsere Herzen aufmachen mit Seiner Hilfe, und mögen wir uns erkennen – uns in diesem Sinne erkennen. Es geht darum, Allah zu erkennen. Wir sind erschaffen, um Ihn zu erkennen. „Ich wollte erkannt werden. Ich war ein verborgener Schatz.“ Mögen wir Ihn erkennen. Wenn wir Ihn erkennen, dann erkennen wir uns. Dann erkennen wir uns. Dann erkennen wir uns. Dann verneigen wir uns voreinander, und keiner steht zuerst auf – niemand. Alle stehen so da (Sheikh Hassan verschränkt die Arme und beugt den Kopf nach unten) und warten, bis der andere zuerst aufsteht. Oder wir werden uns umarmen, und wir werden diese Umarmung nicht lösen. Das ist Haqq. Möge es so sein, inshaAllah.

Wa min-Allahi at-taufiq, bi hurmati al-Fatiha.

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