Wer sich kennt, kennt seinen Herrn

Sohbat Sheikh Hassan
26. Juni 2026, Osmanische Herberge Kall

Hat jemand eine Frage?

Roland. Anas. Herzlich willkommen! Hast du eine Frage?

Roland: So viele, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Sheikh Hassan: Also eine reicht erst mal. Die wichtigste vielleicht.

R: Ja, die wichtigste. Es war ja die Rede davon, dass wir von Allah geliebt werden. Aber wie sieht es umgekehrt aus? Woher kommt das? Wie kann ich das erlangen — die Liebe zu ihm, die im Alten Testament vorgeschrieben ist?

SH: Was war mit dem Alten Testament?

R: Im Alten Testament ist die Liebe zu Gott vorgeschrieben.

SH: Das ist schon so alt, das Testament, dass wir schon wieder ein neues Testament haben. Vorgeschrieben ist ein schlechtes Wort im Zusammenhang mit Liebe. Da kannst du schon mal sehen, wie alt das Testament ist. Vorgeschrieben…

(Sheikh Hassan blickt ungläubig und fragend.)

Die Liebe vorschreiben — da vergeht mir jede Liebe, entschuldige vielmals. Also wenn die Liebe nicht freiwillig ist, dann weiß ich nicht, was das für eine Liebe sein soll.

R: Kann sie freiwillig sein?

SH: Selbstverständlich! Die ist freiwillig. Freiwillig — nein, nicht freiwillig. Die kommt von Allah. Die kommt von Allah.

R: Ich glaube es ist so, dass das Herz so…

SH: Wir wollen keinen Dialog jetzt, also einen Dialog würde ich jetzt nicht anraten.

R: Muss das Herz gereinigt werden, um die Liebe Allahs zu reflektieren?

SH: Muss das Herz gereinigt werden, damit wir diese Liebe erlangen?

R: Genau, genau, damit Seine Liebe reflektiert in uns.

SH: Er ist ein Reflektierer, MashaAllah. Ja, das ist richtig, stimmt.

Und wir sagen, „Ja.“

Ja, das Herz muss gereinigt werden, damit wir diese Liebe — Seine Liebe — empfangen können. Erst liebt Er uns und dann können wir Ihn lieben. Und wir sollen nach Seiner Liebe streben.

Im Naqshbandi-Orden, zu dem wir eine Verbindung durch unseren Sheikh haben, der ein großer Naqshbandi-Sheikh ist, da sagt man, dass der Schüler — der Aspirant oder der Möchtegern-Sufi, der jedenfalls auf dem Weg ist, der versucht, dem Meister zu folgen — nichts zu tun braucht, eigentlich. Du kannst in Wahrheit nichts tun. Und du kannst auch nie sagen: Ich habe jetzt das und das gemacht und deswegen gibt es jetzt dieses Ergebnis. Also sowas gibt es nicht. Die vergleichen das mit einem Kürbis, den du pflanzt und der einfach im Schatten der Blätter liegt und reif wird und groß wird. Du kannst nichts machen und wirst automatisch groß und reif und vollkommen.

Und auf der anderen Seite musst du trotzdem weiterschreiten und deinen Weg gehen. Du musst etwas tun, du musst aktiv sein — trotzdem. Das scheint ein Widerspruch zu sein, ist aber keiner.

Du hast das Anliegen — das hast du ja, sonst hättest du die Frage nicht gestellt — Allah zu lieben oder die Liebe von Allah zu empfangen. Und dann wird sie reflektieren, von dem göttlichen Namen Ya Wadud.

Ya Wadud ist Der Liebende, Der die Liebe erschaffen hat, Der alles aus Liebe erschaffen hat — Der das ganze Universum aus Liebe erschaffen hat. Und wir wissen sogar noch mehr: Er hat es aus spezieller Liebe erschaffen, aus der Liebe zu Seinem Propheten ﷺ, zum letzten Propheten, Muhammad, den man Habibullah nennt — den Geliebten, Seinen Geliebten, Habibi, Habibullah — den Geliebten Allahs.

Die ganzen Propheten, die haben ja alle einen Namen. Musa ist Kalimullah. Isa ist Ruhullah. Moses ist das Wort Gottes, Jesus ist der Geist Gottes. Ibrahim Khalilullah — der Freund Gottes. Und so weiter. Muhammad Habibullah ﷺ — höchste Nähe, höchste, engste Verbundenheit im Universum.

Warum? Weil Allah selber sagt in einem Heiligen Hadith:

„Wenn es nicht für dich gewesen wäre, hätte Ich diese Schöpfung nicht erschaffen.“

„Aus Liebe zu dir. Aus Liebe zu meinem Geliebten erschaffe ich die Schöpfung. Warum? Weil Ich ihn mehr preisen will, ihn glücklicher machen will, ihn größer machen will.“

Muhammed ﷺ, der Gepriesene. Mahmud, der Gepriesene. Ahmad — derjenige, der preist. Es geht um die Lobpreisung — die verstärkt deine Liebe.

Was machst du, wenn du zum ersten Mal verliebt bist in — wie hieß sie? — Gabi, sagen wir mal.

Da gibt es ja ein Lied (singt:) „Für Gabi tue ich alles.“

In Volksschlagern kannst du göttliche Weisheit entdecken. Bei den Arabern, da gab es in früheren Jahrhunderten die Troubadoure. Das waren die Liebessänger, und die haben es in Geschichten verpackt von Frauen, von Geliebten und so weiter — meistens ging es darum. Und um die Traurigkeit, die Trennung und das Zusammenkommen und so weiter. Aber in Wirklichkeit ging es um Allah — um die göttliche Liebe. Es geht um die göttliche Liebe. Und die göttliche Liebe ist so, wenn du es vergleichen willst, wie Gabi. Du denkst nur an Gabi. Der Junge, der ist zum ersten Mal total verliebt, in Gabi. Und der denkt nur an Gabi. Den kannst du sagen, was du willst, der antwortet immer nur: „Gabi, Gabi.“

„Ich sehe überall nur Gabi.“

(Imitiert verschiedene Tonfälle, zärtlich-hingebungsvoll:)

„Gabi, Gabi, Gabi, Gabi, Gabi.“

Der sagt nicht (nun mit mechanischem Tonfall:)

„Gabi, Gabi, Gabi, Gabi.“

Manche machen Dhikr, die sagen (wieder mit mechanischen Tonfall):

„Allah, Allah, Allah, Allah, Allah!“

Und dann zählen sie:

„Wie viel habe ich denn schon?“ (Hebt seine Dhikr-Kette hoch.) „Ich muss 10.000 schaffen. Allah…“

(Mit gequältem Gesichtsausdruck:)

„Allah, Allah, Allah, Allah, Allah. Wie viel habe ich denn? 950 … Ah, noch 50 … Allah, Allah.“

Da kommt keine Liebe. Da kommt keine Liebe. Sag Allah mit Liebe. Allah ist der schönste Name, den es gibt.

(Hingebungsvoll:) „Allah!“

Und alles ist Er. Er ist alles.

Das ist auch ein gutes Lied:

(Singt:) „Alles ist Er. Er ist Alles. Alles ist Er. Huuu, Huuu, Huuu.“

Mit Liebe. Mach Dhikr mit Liebe. Und das ist nur die Zunge. Man reinigt das Herz, hast du gesagt. Wie reinigen wir das Herz? Eben durch Dhikrullah, durch die Erinnerung an Allah. Was ist die Erinnerung an Allah? Das eine ist das Dhikr mit der Zunge. Aber wenn es nur mit der Zunge ist, und der Kopf mischt mit, dann gibt es das, was ich eben gesagt habe.

(Er hebt das Tasbih und wiederholt mechanisch:)

„Allah, Allah, Allah, Allah, Allah.“

 (Hämmert den Zeigefinger rhythmisch an die Stirn:)

„Tick-Tack, Tick-Tack.“

Und wenn das Herz dabei ist, dann wird es schon ein bisschen anders.

(Diesmal gefühlvoll:) „Allah, Allah.“

Wenn man unseren Sheikh Dhikr machen sieht — Sheikh Muhammad Nazim al-Haqqani, unser Sheikh, der 2014 verstorben ist — dann kannst du das sehen. Das äußert sich bei ihm richtig. Diese innere Liebe zeigt sich bei ihm auch im Äußeren. Da kann man sehen, wie das ungefähr aussehen sollte. Aber wir müssen das selbst erfahren. Wir müssen es selbst erfahren. Und Dhikrullah — jetzt kommt das wegen der Reinigung des Herzens — heißt, dass wir immer an Allah denken sollen. Das ist die Voraussetzung der Reinigung des Herzens. Und das heißt laut unserem Großsheikh — dem Sheikh von unserem Sheikh Nazim —, dass du immer an Allah denkst, immer an Gott denkst, immer an deinen Schöpfer denkst, immer an deinen geliebten Herrn denkst — an Den, Der dich erschaffen hat, und Der immer bei dir ist. Der ist auch jetzt bei uns allen ist, bei jedem hier, in jeder Millionstel Sekunde. Und auch wenn du aufstehst und hinausgehst, und wenn du schläfst, und wenn du isst, und wenn du trinkst — bei allem, was du tust: Er ist immer bei dir.

Und du bist meistens weg. „Da bin ich mal gerade mal weg“ — schreibt der Ladenbesitzer, der gerade mal weg ist.

Die Wäscherei von Ahmad: „Bin gerade mal weg. Kommen Sie nochmal wieder, wenn Sie Lust haben.“

Und Allah sagt auch: „Kommt wieder, kommt wieder, die Tür ist immer offen.“

Die Tür ist immer offen.

Wie kommst du wieder, wenn du weg bist? Wenn du zum König willst? Eigentlich stehen wir ständig vor dem König, vor dem Absoluten König — dem König der Könige, Malik ul-Mulk, dem König der Königreiche. Das ändert sich nicht:

„Es ist plötzlich mal eine kleine Änderung.“ (Sheikh Hassan macht eine Geste, als würde jemand ein großes Objekt ruckartig umdrehen).

Nein — es ist immer so. Und wir sagen einfach mal: „Wir drehen uns mal um.“

(Nachdem er vorher in die Kamera geblickt hat, dreht er sich nun demonstrativ zur Seite.)

Wir stehen vor dem König. Du bist eingeladen bei der Queen zum Tee — die Queen lebt ja nicht mehr — beim König Charles. Du bist eingeladen in den Buckingham Palace, zum Tee. Da kommst du mit deinem Esel angeritten — ach nee, du hast ja ein edles Pferd — und da stehen dann diese Wachen an der Tür und sagen: „Was willst du?“

„Ich habe eine Einladung, hier, Tee trinken mit dem König Charles.“

„Ah, okay, komm runter von deinem Pferd und wir lassen dich rein.“

Dann sagst du: „Nee, nee, nee, ich gehe nur mit meinem Pferd da rein. Ich gehe nur mit meinem Reittier, der muss mit.“

Dann kommst du nicht rein. Wenn wir mit unserem Ego hineinwollen — in die Liebe, in die Öffnung des Herzens, in die endlose Schönheit und dann in das nie endende Licht und in die nie endenden göttlichen Wunder Allahs, subhanahu wa ta’ala —, dann nur ohne Ego. Der Esel muss draußen bleiben. Der muss draußen bleiben, der kann nicht mit rein.

Deswegen müssen wir uns — wie du schon sagtest, und das ist wichtig — reinigen. Das größte Mittel der Reinigung ist das Dhikrullah — das Gedenken, das Gottesgedenken. Sich Seiner bewusst zu sein, würden wir heute sagen; das Bewusstsein zu steigern. Die Erinnerung an Ihn — daran, dass Er ständig da ist — hat mit Bewusstsein zu tun. Das Bewusstsein, dass jeder deiner Atemzüge ein Geschenk von Ihm ist, in dem du Ihn lobpreisen kannst.

Wozu bist du erschaffen, was sagt Gott denn? Was sagt er denn?

R: Um Ihn zu lieben?

SH: Um Ihm zu dienen.

R: Ja, aber so ein Liebender ist ein wahrer Diener.

SH: Richtig, genau. Wie dienst du Ihm? Am besten, wenn du Ihn liebst. Und wie liebst du Ihn? Du musst Ihn kennen, oder? Was willst du denn lieben? Du musst Ihn irgendwie kennen, oder? Deswegen sagt der Prophet ﷺ:

„Man ‚arafa nafsahu qad ‚arafa Rabbahu.“

„Wer sich selbst kennt, kennt seinen Herrn.“  Wenn du Ihn kennst, dann wirst du Ihn lieben. Welches Attribut du auch erkennst — oder reflektierst, wie du vorhin so richtig gesagt hast —, du reflektierst dann die Liebe, die Barmherzigkeit, die Großzügigkeit, alle 99 Schönen Namen und darüber hinaus tausende von Namen und schlussendlich endlose Namen. Die lassen sich in deinem Herzen nieder; sie spiegeln sich dort wider.

Deswegen ist der Mensch ein besonderes Geschöpf — das einzige Geschöpf in dieser ganzen Schöpfung, welches von Allah so erschaffen worden ist, dass es dazu in der Lage ist. Allah sagt Selbst, subhanahu wa ta’ala:

„Nichts kann Mich aufnehmen, Ich bin zu groß für die Schöpfung, für jeden Teil der Schöpfung. Egal was es ist, es kann Mich nicht aufnehmen. Außer eine einzige Sache, die Ich erschaffen habe: Die kann Mich aufnehmen. Die habe Ich so erschaffen, dass sie Mich aufnehmen kann.“

Was ist das? Das Herz des Mu’mins, das Herz des Gläubigen.

„Das Herz des Gläubigen kann Mich aufnehmen“, sagt Er. Und es spiegelt die göttlichen Eigenschaften wider. Und das geht Schritt für Schritt.

Es geht Schritt für Schritt. Der erste Liebesbeweis ist der, dass du dem Propheten ﷺ folgst. Woher wissen wir das? Von der Aussage im heiligen Qur’an. Wie heißt es da, Baba?

Abdul Malik: „Wenn du Allah liebst, sollst du mir folgen.“

SH: Ja. „Wenn du Allah liebst — oder lieben willst —, dann folge mir.“

AM: „Und dann liebt dich Allah.“

SH: „Und wenn du mir folgst, dann liebt dich Allah.“

Ganz klar. Es gibt nichts Unklares im heiligen Qur’an. Nichts. Da findest du jede Antwort. Jede.

„Wenn du mir folgst, dann liebt dich Allah.“

So einfach ist das. Das ist die Antwort auf deine Frage. Folge dem Propheten ﷺ. Wie folgst du ihm? Wie folgst du dem Propheten?

Du folgst: Du machst das, was er getan hat und was er geboten hat. Da ist zum einen die Offenbarung des göttlichen, heiligen, ewigen Wortes des Heiligen Qur’an. Darin ist alles offenbart, und dann noch in seinem ﷺ Leben. Und sein Leben deckt sich hundertprozentig und tausendprozentig mit dem Heiligen Qur’an. Du wirst nicht irgendeinen Millimeter oder Milligramm — oder die allerkleinste Einheit — finden, die sich nicht mit der göttlichen Offenbarung des Heiligen Qur’an deckt. Sein Leben. Seine Äußerungen, sein Schlaf, sein Wachsein, jedes Wort, sein Schweigen, sein Lächeln, sein … alles. Deswegen haben die Gefährten das alles genau beobachtet. Die haben gesehen, dass er der Heilige Prophet ﷺ ist, und haben das gespürt. Die haben ihn geliebt, als erstes. Die haben ihn geliebt und sind ihm gefolgt — in allem. Die haben ihn so geliebt, dass sie in ihm vergangen sind, annihiliert sind.

Bevor du Allah liebst, liebst du den Propheten ﷺ. Du kannst nicht Allahs Liebe (direkt) erreichen. Das ist ein Irrtum. Das wird man spätestens dann sehen, wenn man gestorben ist. Es ist ein Irrglaube, dass man Allahs Liebe direkt erreichen kann. Du kannst nicht Allahs Liebe erreichen und sagen:

„Deinen geliebten Propheten? Nein, da habe ich kein Interesse. Nur du. Ich und Du.“

 (Deutet zuerst in den Himmel und dann an die eigene Brust.)

(Auf Berlinerisch:) „Ganz Berlin war eene Wolke, und nur icke war zu sehen.“

(Deutet dabei mit beiden Händen auf die eigene Brust.)

Ne, ne. Der Weg geht über Habibullah ﷺ.

„Ich liebe Dich, und ich liebe nicht das, was Du am meisten liebst?“

— Geht das? Geht das? (Lächelt ungläubig.)

„Ich liebe Allah, aber ich liebe nicht das, was Allah am meisten liebt.“

— Geht das? Das geht nicht.

Oh ihr, die ihr das ablehnt. Da gibt es ja so Leute, die stören diese Liebe. Die möchten die Liebe stören. Es gibt ganz viele unter den Muslimen — die sich Muslime nennen —, die sagen:

„Nein. Du musst direkt zu Allah. Das ist Shirk. Du darfst den Propheten nicht so sehr lieben. Liebe ihn nicht zu viel.“

(Kneift die Augenbrauen zusammen und wirft die Stirn in Falten.)

Da gibt es Leute, die behaupten das. Und die Muslime, die hören auch auf die, weil:

„Die sind Araber. Diese Gruppe gehört zu den Arabern, und die können Arabisch, und ich kann nur Bosnisch — ah ne, was kann ich denn? — Deutsch. Also, das ist ganz schlecht. Ich muss auf die hören. Die können ja Arabisch.“

Nein, nein. Die haben ein falsches Konzept. Ein egoistisches dummes Dummheitskonzept. Ein Nicht-Verstehen-Konzept. Es geht über den Propheten ﷺ. Und selbst der Prophet hat so eine Größe, wie wir sie uns nicht vorstellen können. Das kannst du dir nicht vorstellen. Ich gebe dir mal ein Beispiel. Du nimmst einen Bleistift und zeichnest einen Kreis — so eine Ellipse, wie so ein Meer — auf ein Blatt Papier. Dann nimmst du den Bleistift und machst einen Punkt rein. Jetzt vergleichst du das Wissen der ganzen, gesamten Menschheit mit dem Wissen des Propheten. Das Wissen des Propheten ist dieser Kreis oder diese Ellipse — dieses Meer. Und der Punkt — in diesem Punkt ist das Wissen von allen Geschöpfen, von allen Menschen. Das ist ungefähr der Vergleich. Also wer bist du, dass du direkt zu Allah willst?

(Lacht.)

Du gehst über den Propheten ﷺ. Und selbst der Prophet ist zu groß. Wer bist du, dass du direkt zum Propheten willst? Da gibt es den Sheikh — jetzt kommt der Sheikh ins Spiel — den Meister, den Murshid, der dir hilft, dich auf den Weg bringt und zu deinem Schicksal führt und dir hilft, dein Herz zu reinigen, und der dich dadurch zum Propheten bringt — zur Liebe des Propheten ﷺ. Das macht der Murshid. Darin hilft der Murshid. Darin hilft der Meister, dem wir uns anschließen.

Unser Meister ist Sheikh Muhammad, der Sohn von Mawlana Sheikh Nazim, qaddas Allahu sirrahu aliya, und der redet auch von nichts anderem als von der Liebe des Propheten. Und er sagt, wie man das macht. Du machst es, indem du erst mal die Gebote befolgst.

Habibullah. Der ist nach oben und hat die Himmelsreise gemacht — ich weiß nicht, ob du dich da auskennst oder ob du es mal gehört hast —, er hat die Himmelsreise gemacht zu Allah. Und er hat von fünfzig Gebeten auf fünf Gebete heruntergehandelt. Wir sind jetzt bei fünf Gebeten, und die zählen wie fünfzig. Wir sind bei fünf Gebeten — die muss man erst mal einhalten.

„Ich liebe Allah, aber ich mache nicht, was Du sagst.“

(Schaut dabei erst in den Himmel, dann ungläubig, fragend in die Runde.)

„Ich will Deine Liebe, aber ich bestehe auf Haram.“

Geht das? — Geht nicht. Passt nicht. Das passt nicht.

Nein: „Ich bemühe mich, von dem, was Du uns geschenkt hast, so viel wie möglich umzusetzen. Ich bin schwach. Und wenn ich es schaffe, fünf Mal zu beten — Alhamdulillah! Meine Intention ist, fünf Mal zu beten. meine Intention ist, im Ramadan zu fasten. meine Intention ist, Zakat zu geben — die fünf Grundpflichten des Islam. Meine Intention ist, zur Hajj zu gehen, die Kaaba zu besuchen. Meine Intention: Wenn ich Kraft habe, gesund bin und in meinem Leben die Gelegenheit dazu habe, werde ich die Pilgerfahrt machen. Ich werde die Grundpflichten erfüllen.“

Und dann gibt es die Regeln. Es gibt 800 schlechte Dinge in der Menschheit — das hat Allah so erschaffen, 800, genau 800 —, und die verbietet Er uns. Die bezeichnet er als Haram. Die sind Haram für euch. Macht die nicht, denn wenn ihr die macht, habt ihr Schaden. Ihr fügt euch selber Schaden zu, wenn ihr dem nachgebt — euch selbst als Erste und am meisten, und dann auch anderen, wie man sieht. Dann, als schwacher Mensch, gibt es 500 Empfehlungen, die heißen Halal. 500 Empfehlungen, von denen ich versuche, einige davon, InshaAllah, in die Praxis umzusetzen. Aber ich würde mal sagen, für mich ist es erstmal wichtig, Haram zu lassen, ehrlich gesagt. Ich habe noch viel damit zu tun, Haram zu unterlassen, bevor ich mich um Halal kümmere.

Schlecht von einem anderen Gläubigen zu denken, ist Haram. Etwas Schlechtes von einem Muslim erfahren zu haben — von einem Muslim oder von einem Gläubigen —, und darüber länger als drei Tage sauer zu sein, ist Haram. Ich kenne Brüder, die sind immer noch sauer auf mich und auf andere Brüder — wegen Dingen, die vor 30 Jahren geschehen sind. Die haben sich geschworen, mit dem nie wieder zu reden, bis Yawm al-Qiyamah, bis zum Tag des Jüngsten Gerichts. Und auch dann nicht.

R: Selber schuld.

SH: Selber Schuld, würde ich auch sagen.

Das sind nur Beispiele, einige Beispiele, aber es sind konkrete Dinge — deswegen spreche ich das an. Das sind konkrete Dinge, die wir tun können. Was können wir tun, um unser Herz zu reinigen? Was können wir tun? Zunächst mal die Regeln einhalten und so viele andere Sachen zu tun — und das ist Gottesdienst, Gott zu loben. Und da kannst du deine Liebe reinstecken. Da tust du deine Liebe rein. Da drin suchst du nach Liebe.

Du gehst nicht einfach beten, weil du beten musst.

(In gelangweiltem Tonfall:) „Jetzt muss ich schon wieder beten.“

Gestern hat mir jemand gesagt — der ist ins Irrenhaus gekommen, weil er etwas völlig Irres gemacht hat, und dann ruft er mich an (Sheikh Hassan hält sich einen unsichtbaren Telefonhörer ans Ohr:)

„Und was soll ich machen? Und warum ist mir das passiert?“

— Ja, weiß ich auch nicht.

Aber du musst wissen: Es geschieht mit Allahs Willen. Und Krankheiten sind Dinge, mit denen Allah Seine Diener zu sich zieht — das kann man grundsätzlich wissen und annehmen.

Dann habe ich nach einer Weile — so 20 Minuten —, den Ratschlag gegeben:

„Kümmer dich nicht darum. Sag: ‚Allah weiß es.’ Mach deine Gebete.“

Dann kam raus — die Person sagt dann: „Beten tue ich nicht.“

Und dann fiel es mir wie Schuppen von den Haaren — von den Augen meine ich, und ich sage: „Jetzt weiß ich, warum dir das passiert ist. Jetzt weiß ich es. Allah will, dass du betest.“

Der will dich ranziehen. Der will dich zu Sich ziehen. Das ist so offensichtlich. Als Erstes deine Gebete, deine erste Grundpflicht.

Weit entfernt.

(Deutet mit der rechten Hand in die Ferne.)

(Mit übertriebenem, gedehntem Tonfall:)

„Warum passiert mir das?“

Es passiert dir halt. Jede Prüfung ist ein Geschenk Gottes, ein Geschenk Allahs, mit dem er Seine Diener zu Sich ziehen will — zu dieser Liebe, zu der Reinigung.

Zu der Reinigung. Durch die Reinigung wirst du die Liebe finden. Möge Allah uns schützen, InshaAllah, und uns helfen, den Weg zu gehen — in jeder Hinsicht, InshaAllah —, dankbar zu sein dafür, und darauf zu bleiben, InshaAllah, bis wir sterben und dann, InshaAllah, im Akhira Glücklichkeit und Seligkeit vorzufinden.

Wa min-Allahi at-taufiq. Bi hurmati al-Fatiha.

Amin.

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