Sohbat Sheikh Hassan
10. März 2025, Osmanische Herberge Kall
Wir wollen noch mal auf das Thema von gestern eingehen: Der Bruder der uns geschrieben hat, daß er allen Religionen folgen möchte und lieben möchte und liebt, und wir haben gestern schon einiges gesagt aber da ist glaube ich nichts angekommen, weil er wieder das gleiche heute noch mal schreibt:
„Es steckt so tief in mir, daß alle Wege zum gleichen führen, daß die unendliche Liebe der Grund das Ziel und das Sein von allem ist.“
Das ist richtig natürlich. Natürlich ist die Liebe der einzige Grund. Allah ﷻ hat es aus Liebe erschaffen, aus Liebe für seinen Liebling für Habibullah ﷺ. Und er fühlt es:
„Ich fühle es seit gestern noch stärker.“
Also seit unserer Sohbat alhamdulillah ist dieses Gefühl noch stärker geworden, mashallah, alhamdulillah, das ist gut. Und er schafft es nicht, sagt er hier:
„Ich schaffe es nicht Worten und Riten zu folgen, die ich nicht fühle, ja ich denke es wäre sogar gefährlich.“
Er meint, es ist gefährlich den Worten und Riten zu folgen, ohne das zu fühlen. Du musst immer fühlen… fühlen. Dann kommt noch:
„Für mich gibt es keine Religion, nur Liebe.“
Mashallah! Für Allah ﷻ gibt’s Religion, für ihn nicht, das ist auch erstaunlich. „Und ich versuche zu lieben.“ – Du versuchst, ja. Du bist nicht immer in der Lage zu lieben, gar nicht, überhaupt nicht, ab und zu mal hast du das Gefühl und du denkst „ja!“ – nee es ist noch lange nicht.
„Das fühlt sich für mich richtig an, egal ob ich Sufi, Yogi, Christ bin, für mich scheint das alles gleich.“
Es ist nicht gleich. Ist Gold und Silber gleich, und Bronze? Ist es gleich? Gibt es was Gleiches, hat Allah ﷻ was ohne Sinn erschaffen, ist alles gleich?
„Ich weiß nicht,“ kommt dann, „ich weiß nicht, mehr als versuchen kann ich nicht, ich gebe mein Bestes.“
Also ist doch gut. Vor allen Dingen ist der Satz wichtig hier finde ich bei der Sache – der wichtigste Satz in deiner Botschaft hier ist: „Ich weiß nicht.“ Und gestern war auch ein Satz, den habe ich nicht erwähnt, da hat er gesagt: „Ich habe keine Ahnung.“ Diese beiden Sätze sind sehr wichtig, „ich habe keine Ahnung“ und „ich weiß nicht“. Denn so ist es. Aber es gibt Leute die Ahnung haben, die gibt’s, zum Beispiel Allah subhana wa ta’ala hat Ahnung. Es gehört nicht zu den Leuten, aber Er hat dann die Propheten geschickt, die haben richtig Ahnung. Die haben Ahnung. Und wenn man was wissen will, dann geht man zu jemanden der Ahnung hat. Wenn du Rosenkohl kaufen möchtest, ja das ist ein guter Kohl, dann gehst du nicht zum Fleischer. Wenn du Juwelen willst, dann gehst du nicht zum Strohhändler der Stroh für Esel verkauft. Du gehst zu jemand, der Ahnung hat ja… Das tust du ja auch eigentlich, aber du nimmst nichts an, so wie es aussieht. Das kommt drauf an. Der Sufiweg ist ein Weg, wo man sich dem Sheikh hingibt und mit allem was der sagt übereinstimmt. Und wenn keine Übereinstimmung ist mit irgendwas, dann bist du falsch. Der Schüler ist falsch, nicht der Sheikh.
Und du sagst, mit Worten und Riten kannst du nicht, was?
„Ich schaffe es nicht, Worten und Riten zu folgen.“
Das stimmt gar nicht, du folgst dauernd Riten und Worten. Sagst du nicht zu jemanden, wenn du ihn begrüßt „Guten Tag?“ Oder der Deutsche sagt dann „Guten Tag wie geht’s“ oder „Buon giorno … Buona sera, buona sera, buona sera.“ Du kannst doch italienisch inshallah. Das sind alles Riten, das sind Rituale. Wenn ich jemanden begrüße, dann begrüße ich den, die begrüße ich. Was steckt dahinter? Ich will… ich ehre den, ich respektiere den. Und der beste von allen Grüßen ist: Salam alaykum. Es tut mir leid, das ist Form, ein Wort, aber das ist die beste Form die es überhaupt gibt einen Menschen zu grüßen. Salam alaykum – ich wünsche dir Frieden. Welchen Frieden? Den Frieden von Allah ﷻ, den besten Frieden den es gibt, den einzigen Frieden. Salam. Er ist Salam. Allah ﷻ ist Salam.
Allah hat Namen. Du sagst, du kannst… keine Namen, keine Worte. Allah ﷻ hat Namen, manifestiert sich im Universum durch Seinen Namen, sagt im Koran ich habe dem Adam die Namen, alle Namen gelehrt, alle – den Menschen Namen (gelehrt).
„Nee, nee, keine Worte, nee, ich kann nicht Worten und Riten folgen die ich nicht fühle“
Musst du nicht immer fühlen. Wenn ich sage, Ya Wadud ist der Liebende, da musst du nicht gleich „haaah… Wadud“ – nee mach mal 100 mal Ya Wadud, 1000 mal Ya Wadud, vielleicht fühlst du dann auch was. 10.000 ist besser. Liebe. Wir sind in Form, wir sind in einer Form geschaffen. Wir werden wieder ohne Form sein, das ist was anderes darüber reden wir jetzt nicht, über das Akhira. Nach dem nach diesem Leben kommt das Akhira – formlos inshallah oder andere, ganz andere Sachen, kann man sich gar nicht vorstellen.
Jetzt sind wir im Körper und dein Körper hat eine Form und ich erkenne den, ich erkenne dich, weil ich dich weiß, deinen Namen. Dein Name ist wichtig, ja, dein Name hat auch Einfluß auf deine Seele. Den Namen den du hier in dieser Welt trägst hat einen Sinn, der verstärkt dein Geheimnis oder bringt dein Geheimnis ans Tageslicht, wie man so schön sagt. Das sind Formen. Formen. Du bist nicht formlos und Allah ﷻ ist da drin. Allah ﷻ huwa Zahir wa Batin. Zwei seiner Namen sind Zahir und Batin. Allah ﷻ ist außen und innen – Allah ﷻ. Zahir und Batin – außen und innen. Und die großen Sheikhs die sind auch außen, so wie sie außen sind, sind sie auch innen. Bei uns ist das unterschiedlich wir sind innen anders, weil wir haben Egoismus, egoistische Züge, egozentrische Züge – wenn wir da sind wir dann so, da sind wir so, da machen wir dies, da machen wir jenes… Die Sheikhs sind immer, gleich die Heiligen.
Und deswegen – das ist die Form. Durch die Form grüßt du jemanden, durch die Form liebst du jemanden, das ist mit Form. Wir sind hier, wir haben menschliche Form. Und ne Religion abzulehnen ist ziemlich… Ja ich würde mal gucken auf… hat Sayyidina Mohammed ﷺ jetzt die Religionen abgelehnt? Oder Rumi? Ihr seid doch alle so mit Rumi… „Die Liebenden, die Liebenden, ich will nicht Muslim sein, nein, aber Rumi, ja ich will mich drehen, immer auf der Erde.“ Früher haben sie sich im Himmel gedreht, jetzt drehen sie auf der Erde, wie ein Kreisel – ZING. Ja dann lies doch mal… Was hat denn der Rumi gemacht, bevor er die geistige Öffnung von Allah ﷻ bekommen hat durch seinen Sheikh, als Shamsu Tabriz zu ihm gekommen ist? Er hat erstmal studiert bis zum Ende, jahrelang, jahrzehntelang, er war der größte Wissende, Alim, seiner Zeit, in seiner Zeit. Der kannte die Gesetze ohne Ende, alle Formen, alles kannte er. Alles. Was man sagt, was man macht zu jeder Gelegenheit, welche Gebete – er wusste genau bescheid, Rumi, verstehst du? Und wer ist ein größerer Liebender, bist du ein größerer Liebender als Rumi? Mashallah, hat Rumi was über Liebe verstanden oder haben wir was über Liebe verstanden? Hat Sheikh Nazim was über Liebe verstanden oder haben wir was über Liebe verstanden? Hat Sheikh Nazim vielleicht nicht gebetet? Islam abgelehnt?
Der berühmteste Sheikh, der das gesagt hat, „meine Religion heißt Liebe“, der war auch so. Der hat dann in seinem Zustand so gesagt: „Ich folge keiner Religion, ich folge nur der Liebe. Meine Religion heißt Liebe.“ Der berühmteste Mensch, der das gesagt hat war Sheikh Muhiyiddin Ibn Arabi – Sheikh ul Akbar. Das ist ein bekannter Spruch von ihm. Jetzt schau mal sein Leben. Hat er nicht jahrzehntelang Sharia studiert, jahrzehntelanglang sich kasteit und sich hingegeben in endlosen Gebeten nachts und tags. Ist zu den Sheikhs gegangen, zu den ganzen Wissenden Sheikhs, bis die Öffnung dann halt kam. Dann kommen solche Sprüche raus, natürlich, ja okay. Aber sind wir da schon? Ohne die erste Stufe zu machen, haben wir gleich alle Stufen übersprungen und sind schon jetzt dort?
Ja deswegen rate ich uns allen den Weg zu gehen so wie Maulana Sheikh Mehmed – das ist unser Sheikh. Und er weiß es, wir wissen es nicht, das stimmt du weißt nichts, ich weiß auch nichts, aber die wissen, es gibt die Wissenden, gibt die Kenner, die Gotteskenner – die gibt’s. Und nach denen müssen wir uns richten, der sagt uns schon was… Da muß man Vertrauen. Und der Weg ist nicht einfach… ist nicht so. Manche denken es vielleicht „einfach so Sufi, ja“ – nee, nee, nee. Möge Allah ﷻ uns schützen inshallah. Du musst nichts fühlen. Weil du fühlst ja auch nicht jedes mal, wenn du sagst „Salam alaykum“: „Oh Riesen Salam, eine Wolke von Salam kommt auf mich herab, ich zittere, jetzt geht die Wolke rüber zu dem, zu dem, den ich gerade begrüße. Salam! Und der hat auch voll das Gefühl des Zustandes. Ich fühle es“ – Nee! Ist nicht immer so, wir sind nicht in diesem Zustand ständig. Manchmal kommt der Zustand, ein Geschenk von Gott, von Allah ﷻ. Aber trotzdem sagst du Salam alaykum. Deine Niyyat ist wichtig, deine Absicht. Du sagst „Salam alaykum, alaykum Salam“, das ist der schönste Gruß, das ist ein Ritual, ein Wort, dem du nicht folgen möchtest?
Die ganzen Formen. Dem Sheikh die Hand zu küssen, deinem Vater die Hand zu küssen, deine Mutter die Hand zu küssen… Das ist auch eine Form, eine Ehrerbietung, ein Liebesbeweis, der hat Formen, solange wir in dieser Form stecken. Und die Worte sind das größte, das sind das schönste, Worte. Koran – sind das keine Worte? Koran, jedes Wort hat minimum 24.000 Bedeutungen, hat der Großsheikh gesagt. Das sind Heilige, die wissen was, was wir gar nicht wissen. Und du sagst: „Worte sind nicht wichtig, Worte…“ Das ist sehr wichtig, nimm es an, das muß man annehmen. Sag lieber… wir sagen lieber, wir sind nichts und wir sind auch schwierig und wir können es nicht annehmen, weil unser Ego ist dazwischen. Das Gefühl ist ja gut, das ist ja super, Liebe für alles, das ist ja alhamdulillah. Möge Allah ﷻ dieses Gefühl bei dir vergrößern inshallah, ohne Ende, das ist super. Nur, das eine schließt das andere nicht aus, im Gegenteil, du wirst noch mehr bekommen von diesem Gefühl.
Verstehst du, ja, du kannst alle Religionen lieben. Ich liebe auch alles was Allah ﷻ geschickt hat, alle Propheten lieben wir gleich, also akzeptieren wir (sie) gleich. Trotzdem, wenn du sagst, jetzt möchte ich mal dem Christentum eine Weile folgen, dann wirst du sehen, daß die Christen Feinde der Muslime sind, teilweise, die sagen „das stimmt nicht, Islam stimmt nicht, ist nicht.“ Guck mal da rein in die verschiedenen Religionen was die so denken. Ich weiß nicht ob du das dann noch so super findest. Natürlich, der Ursprung ist immer Allah ﷻ. Gott hat die Religion zugelassen. Er hat sie zugelassen, alle, und Er hat die Propheten geschickt mit den Religionen und Er hat aber auch den letzten geschickt, den letzten der Propheten ﷺ. Und hat gesagt „so jetzt ist genug, jetzt mache ich’s vollkommen, jetzt braucht ihr nicht mehr fragen, es ist jetzt perfekt – PERFEKT.“
Denken wir da dran, inshallah möge Allah ﷻ uns schützen und auf dem Weg sein lassen, inshallah, in jeder Hinsicht. Möge Er dich führen oh Bruder und uns führen, uns alle, wir sind alle gleich. Wir sind nämlich nichts. Und das ist ein wunderschönes Ritual, finde ich hier, wenn wir hier beten, das ist einfach ein sehr schönes Ritual, wenn sich alle Brüder hier verneigen, ihr Gesicht auf die Erde drücken. Weil nämlich jeder ist dann nichts, nicht einer ist mehr, alle sind nichts, nichts, nichts, nichts, nichts, ja eine Reihe Nichts. „Allahu Akbar“ sagen die und werfen sich nieder. Das ist ein Ausdruck der gemeinsamen Hingabe… wie schön, wie schön, wie schön. Alleine natürlich auch. Du gibst dich hin, das hat eine Form, du wirfst dich nieder. Goethe hat darüber geschrieben, über diese wunderbare Form, wie er gesagt hat, das „Sich-niederzuwerfen“ vor dem Herrn. Natürlich ist das eine Form, aber die ist gefüllt mit deiner Liebe deines Herzens. Und wie schön, wenn eine ganze Moschee voll sich niederwirft in der Absicht, sich hinzugeben – egal was in den Herzen dann sich abspielt, in den Gedanken, alleine die Form zu sehen ist wunderschön, und das heißt, daß alle nichts sind vor Allah ﷻ, ja die sind nichts, haben keine eigene Existenz, sind alle nichts, alle nur durch Allah ﷻ – Von Allah, durch Allah und zu Allah ﷻ.
Allah ﷻ schützt uns inshAllah.
Wa min Allahi taufiq al-Fatiha

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