Sohbat Sheikh Hassan
Deutsche Übersetzung
28. Mai 2026, Osmanische Herberge Kall
Sheikh Hassan: „Gibt es Fragen?“
Fragesteller: „Es gibt verschiedene Gelehrte, die Fatwas über Musik gegeben haben. Wenn wir annehmen, dass Musik erlaubt ist, wie erkennt man dann, welche Musik gut für die Seele ist und welche nur für das Nafs? Wie können wir unterscheiden?“
SH: „Musik ist immer für das Nafs.“
F: „Immer?“
SH: Es kommt darauf an, welches Nafs gemeint ist. Nafs al-Amarra bis-Su, oder ein anderes Nafs. Wenn die Musik dich zu deiner höheren Seele führt und du sie zur Ehre Allahs des Allmächtigen, zur Ehre von Rasulullah ﷺ, zur Ehre der Ashabil-Kiram und der Heiligen (Friede sei mit ihnen) spielst, kann man das akzeptieren.
Mit Liebe. Wenn du es mit Liebe tust, ist es möglicherweise angenommen.
Aber es ist gefährlich. Für jemanden mit Ego — Nafs al-Aamarra bis-Su — ist es gefährlich. Denn er weiß vielleicht nicht, warum er singt oder was er tut.
Interessanterweise haben die Naqshbandiya Aliya meines Wissens als einzige der 41 Tariqas keine traditionelle Musik praktiziert. Shahu Naqshband al-Uwaysi al-Bukhari, qaddas Allahu sirra aliya, berichtete einmal, wie es uns überliefert wurde, dass er zu einem Sema eingeladen wurde. Und Sema war üblicherweise — vor etwa 600 Jahren — ein hoher musikalischer Standard, und die haben wohl auch gedreht und solche Sachen. Er nahm die Einladung an und sagte: „Wir nehmen die Einladung an. Wir kommen, um zuzuhören.“
Und er sagte: „Wir praktizieren nicht, wir machen keine Musik, wir singen nicht, wir musizieren nicht aktiv. Aber wir nehmen die Einladung an, weil vielleicht etwas Nützliches da drin liegt.“
Das sagte er. Er bestätigte es. Shahu Naqshband al-Uwaysi al-Bukhari.
Wenn es mit der richtigen Führung geschieht, kann es nützlich sein. Es kann Herzen öffnen oder — ich weiß nicht — es kann Liebe oder etwas Nützliches in deinem Herzen erzeugen, um dich dem Propheten, sallallahu alayhi wa-sallam, und Allah dem Allmächtigen näherzubringen.
Wir machen auch Salawat und Ilahis und singen Lieder für den Propheten ﷺ. Nicht wahr? Und wenn jemand dies aufrichtig und mit Liebe zu ihm ﷺ tut, ist das nützlich, dann kann es nützlich sein.
Verstehst du?
Was ist deine Frage?
F: „Wenn es auch Musik gibt, sagen wir mal außerhalb von Nashid und Qasidah …“
(Sheikh Hassan imitiert die tiefe, verzerrte Stimme eines Rock-Sängers)
„… Vielleicht nicht gerade dieser Stil, aber so etwas wie Reggae-Musik, wie Bob Marley. Können wir uns Bob Marley anhören?“
SH: Ja. KI (der Sheikh schaut leicht belustigt) … Ihr könnt euch das anhören. Bob Marley. Sehr schön. Lobpreisungen Allahs, Lobpreisungen des Propheten ﷺ. Ihr könnt das auf Instagram sehen.
Ja, auch außerhalb von Ilahis oder außerhalb der traditionellen Musik. Wenn jemand von Herzen spielt, ist er willkommen. Vor Sheikh Nazim haben schon so viele Menschen ihre Art von Musik aufgeführt. Und er hat sie immer ermutigt. Und sie haben es mit Liebe getan, vor Scheikh Nazim. Ich erinnere mich an einen schwarzen Mann in Peckham, der — ich weiß nicht, so eine Art Blues, Blues-Jazz oder so was — einfach a cappella sang. Er stand auf, fragte um Erlaubnis, und Maulana sagte: „Ja.“ Dann sang er etwas für Maulana, für den Propheten ﷺ.
Und er sang mit Liebe und Aufrichtigkeit. Er liebte Maulana Sheikh, und aus dieser Liebe heraus sang er. Er stand auf und sang etwas. Und ich denke, es ist erlaubt. Maulana Sheikh Nazim hat es sogar manchmal empfohlen. Er sagte: „Wenn jemand Talent hat — eine Gabe von Allah, seine Liebe und ähnliches von Herzen in seiner Musik auszudrücken —, dann soll er das tun.“
So hat er es gesagt. Verstehst du?
F: „Ja! Danke, Sheikh.“
SH (singt): „Without you, without you, without you, this universe is dust and powder and dry.
Come Ya Maulay. Come Ya Maulay.
Without you, without you, without you, the leaves and trees are yellow and dry.
Come ya Maulay. Come ya Maulay.“
(Ohne dich ist dieses Universum Staub und Pulver und trocken. Komm, oh Maulay. Ohne dich, sind die Blätter und Bäume gelb und trocken. Komm, oh Maulay.)
— Kann man so sagen.
Wenn er kommt, wird alles grün. Wenn der Prophet ﷺ Wudu machte — Wudu Sharif — wurde das Wasser, das durch seine Waschung auf die Erde tropfte, sofort grün. Es wurde grün voller Pflanzen.
Verstehst du?
(Singt erneut): „Everyone is troubled by love.
By seeking the lover’s love, you must cut your throat with a knife.“
(Jeder ist von der Liebe geplagt. Um die Liebe des Geliebten zu erlangen, musst du deine Kehle mit einem Messer durchschneiden.)
Schnitt. Schnitt. (Der Sheikh blickt in die Kamera und macht eine schneidende Bewegung mit der Hand.)
Das stammt von Rumi. Und er — Jalaluddin Rumi — nutzte Musik. Durch ihn wurde das Drehen begründet, und es war Haqq. Wenn sie Musik machten, bestimmte Musik, sie wussten genau, welche Musik …
Es war keine zufällige Musik. Sie kannten sich sehr gut mit Musik aus, mit der Wirkung von Noten und Tonleitern, Maqams, Dastgahs, Ragas und so weiter. Diese Tonleitern, diese bestimmten Arrangements der Noten, hatten eine Wirkung auf die Seele. Sie konnten sogar heilen. Sie heilten damit. Sie heilten mit Musik im Osmanischen Reich. Es war eines ihrer Heilmittel.
Und zu Rumis Zeiten, qaddas Allahu sirra aliya, also vrher, stiegen sie in den Himmel auf, wenn sie sich drehten. Sie drehten nicht auf dem Boden. Heute drehen sie auf dem Boden — Alle. Wenn du am 17. Dezember nach Konia fährst, zum Urs von Jalaluddin Rumi, wird dort ein großes Festmahl veranstaltet — auch der Präsident ist da, und der Sheikh — und alle Derwische, alle drehen auf dem Boden. Ich habe noch nie gesehen, dass jemand in die Luft ging. Aber damals sind sie abgehoben.
Es gibt also einige nützliche Momente und Dinge in dieser Musik. Und das ganze Universum ist auch Musik. Du kannst das Universum erforschen und alle möglichen Farben sehen und alle möglichen Klänge hören. Und manchmal sagt man, die Engel musizieren. Und dies und das … Und man kann auch auf den alten Miniaturen aus dem Iran, aus Persien, sehen, wie die Engel in die Trompete blasen und wie sie musizieren. Es gbt da also etwas, inshallah.
Aber es ist gefährlich, wie wir schon sagten. Denn wir befinden uns normalerweise auf der Ebene des Egos — nicht meine Brüder, ich kenne ihre Ebene nicht — aber meine Ebene ist die Ebene des Egos … Ego-Esel.
(Singt): „My ego donkey plays dirty tricks
It’s just a donkey and sometimes it kicks
When it has London it wants also New York
And always says no to the will of its Lord.“
(Mein Ego-Esel treibt seine Spielchen mit mir. Er ist nur ein Esel und manchmal tritt er aus. Wenn er London hat, will er auch New York, und er widersetzt sich immer dem Willen seines Herrn.)
Das ist meine Musik. Es tut mir sehr leid, aber … Versteht ihr? Es ist gefährlich. Deshalb sagten sie, „Wenn du es lässt, ist es vielleicht besser.“
Und konzentriere dich (auf dein Dhikr). Wenn du dein Dhikr erreichst, das Dhikr des Herzens, brauchst du keine Musik mehr — vielleicht schenkt dir der Himmel Musik, ich weiß es nicht — aber du brauchst sie nicht. Und Maulana Sheikh Muhammad führt uns direkt zum Iman, durch einfache Dinge, die für jeden sind. Nicht jeder kann Musik machen oder ist Musiker. Wenn du es für dich tust, ist das in Ordnung — aber es ist nicht für jeden. Aber für jeden gibt es das Gebet, für jeden gibt es die Hajj und für jeden gibt es die Zakat. Für jeden gibt es Dhikr. Für jeden gibt es Tariqat. Für jeden gibt es einen Sheikh. Und wohin führt dich der Sheikh? Er führt dich zum Iman.
Und die Süße des Imans — selbst Beethovens fünfte Sinfonie kann sie nicht erreichen.
Da-Da-Da-DAAAM (Sheikh Hassan summt mit ernster Miene die Anfangstöne dieser Sinfonie und hämmert dabei auf einem imaginären Klavier herum.)
Oder Bachs Oratorium, mashallah. Das kommt dem sehr nahe. Bach war ein sehr gläubiger Mensch. Manche seiner Werke sind wie ein Feuerwerk, ein Lobgesang auf Allah. Wenn du zuhörst, hörst du, wie er Gott preist. Und niemand kommt ihm nahe. Zum Beispiel. Aber wenn dein Sheikh dir gibt, mit der Erlaubnis Allahs, und es für dich geschrieben steht, die Süße des Glaubens zu schmecken — nichts aus dieser Welt kommt dieser Süße gleich. Sheikh Mehmed sagte das, glaube ich, gestern oder vorgestern.
Was die Menschen alls tun, um etwas Süße zu erlangen … Etwas Vergnügen, sie denken, es sei süß, aber es ist vergänglich. Es ist vergänglich. Alles, was zu dieser materiellen Welt gehört, ist vergänglich. Was nützt dir die Süße, wenn sie gleich weg ist? Was willst du damit?
Du sagst: „Oh, sehr süß.“
Du isst das Eis, dein Lieblingseis, mit Erdbeeren und Sahne und ich weiß nicht was. Und du bist Fannabi-Eis. Komplett. Wenn dich jemand auf den Propheten ﷺ anspricht, sagst du: „Was ist los?! Stör mich nicht!“
Du könntest auch in das Eis hineinspringen. Dann plötzlich … weg. Das letzte. Aus.
„Was machen wir jetzt? Was kommt als Nächstes? Ich kann keins mehr essen. Ich hätte gern noch eins. Okay, nehmen wir noch eins.“
Auch das zweite … Du bist überglücklich. Dann ist auch das weg und du sagst: „Iss noch eins. Ich gebe dir. Ich gebe dir noch eins, ein größeres und viel leckereres.“
Sie nehmen noch eins. Ich sage: „Nein! Ich kann nicht.“
„Aber es ist Eis. Du liebst Eis. Iss, iss, iss!“
„Nein, ich kann nicht.“
Dann zwingst du ihn. Du sagst: „Ich verprügle dich, wenn du nicht noch eins isst.“
Also sagt er: „Okay, ich versuche es, aber ich kann nicht.“
Er isst ein drittes, ein großes. Dann sagst du: „Na los! Noch eins. Diesmal mit Mango. Und Stracciatella. Und Miratella. Und Vionella … Violoncella. Oh, so ein Eis hast du noch nie gegessen.“
„Nein, nein, ich kann nicht.“
Dann ziehst du deine Pistole. Du sagst: „ISS!“
Und du sagst: „Schieß!“ (Der Sheikh hebt die Hände in einer Geste der Kapitulation.)
Das ist Dunya-Vergnügen. Und die Süße des Glaubens ist etwas — eine Süße, die man nirgendwo in dieser Welt findet. Nirgendwo. Und nachdem sie dir diese Süße gegeben haben, sagst du: „Oh mein Herr! Vielen Dank dafür. Das ist unglaublich. Ich wusste es nicht. Es tut mir sehr leid. Astaghfirullah. Alhamdulillah. Shukrulillah. Tauba ya Rabbi, astaghfirullah.“
Dann gibt Er dir mehr, und du kannst mehr essen — du musst nicht gezwungen werden — du kannst es. Er gibt es dir. Und Er setzt dich in die Lage, mehr zu essen, mehr zu nehmen, die Süße des Iman, die Süße des Glaubens. Da gibt es einen Unterschied.
Möge Allah uns davor bewahren, inshallah, dass wir nicht in die Falle tappen. Und dass wir bei unserem Sheikh bleiben. Und er wird alle die ihm folgen zu diesem Punkt des süßen und wahren Haqq-Glaubens führen, inshallah.
