Sohbat Sheikh Hassan
Khatm, 17. September 2026, Heilzentrum Schwarzwald
Es geht durch das Herz vom Sheikh. Das hat er immer gesagt: „Sei nichts.“ Es heißt Fanabi-Sheikh, Fanabi-Rasul, Fanabi-Allah. Du darfst nichts sein, natürlich. Und du bist was, und du betest dich an.
Unser Ego ist der größte Mushrik, den es gibt — versteckt auch noch. Du denkst schon, „Ooh!“ (Sheikh Hassan führt mit der Hand eine Bewegung aus, als würde er ein Auto durchwinken.) Nee. Du bist mit dir beschäftigt, sogar in geistigen Angelegenheiten, sogar in religiösen Angelegenheiten. Du denkst, du bist schon — MashaAllah — und was du alles lesen kannst und beten kannst, und was für ein braver Murid du bist. Du bist beschäftigt mit dir. Und dann sagst du:
„Jetzt ist aber Tahajjud-Zeit. Jetzt bin ich ganz alleine mit meinem Herrn. Jetzt ist Aufrichtigkeit angesagt. Keiner guckt zu. Keiner guckt, wie viele Rakats ich gebetet habe. Ich muss keine Angst haben. Auch wenn ich jetzt sechs bete statt vier — niemand sieht es.“
Das heilige Gebet des Muriden im Tahajjud. Allein mit seinem Herrn. Niemand ist da. Und dann betet der, und dann plötzlich … (Der Sheikh guckt sich um und zuckt plötzlich zusammen, als würde er sich erschrecken):
„Da war doch hier was, da ist doch jemand. Was? Ja, tatsächlich. Ah ja, da bin ich, da bin ich ja. Da habe ich mir selber zugeguckt. Da war noch ein Zuschauer, einer war noch da — das war ich selber.“
Aber es gibt gute Nachrichten, MashaAllah. Wie wir gesagt haben, die Liebe ist immer mehr. Und der Sheikh — das Herz des Sheikhs ist das unfassbare Herz, das liebende Herz — und der liebt uns alle. Er liebt uns, und er lässt niemanden. Keinen, der ihn liebt oder einmal geliebt hat, lässt er los. Zeit ist genug da, das spielt keine Rolle. Allah ist die Zeit. Deswegen ist immer noch das Prinzip Rabita. Wie schon die Alten gesagt haben, die Ahl Khwajagan, in der Zeit von Shah Naqshband — und alle, die da gelebt haben, Ubaydul-Ahrar, und wie die alle heißen, die ganzen Maulanas — die haben gesagt, dass die Basis der Tariqat, der Naqshbandi-Tariqat, die Rabita ist. Es ist die Beziehung, es ist deine Herz-zu-Herz-Verbindung — das ist die Grundlage.
Und das Ziel ist natürlich, immer mit ihm verbunden zu sein. Das ist ja das Ziel. Deswegen sagt der Sheikh auch, „Mach immer Dhikr“, oder Rasulullah, Sallallahu alayhi wa sallam, sagt, „Mach immer Dhikr.“ Oder Rasulullah sagt zu Sayyidina Ali … Sayyidina Ali sagt, „Ya Rasulullah, zeig mir doch mal was, was ganz einfach ist, schnell geht, effektiv ist, unkompliziert, wie ich näher zu Allah komme.“
Da sagt der Prophet ﷺ ohne zu zögern: „Sag immer, La ilaha illallah.“
Da sagt Sayyidina Ali, Karamallahu Wajhahul-‚Aliyya: „Das kann ich nicht. Ich kann nicht immer sagen, La ilaha illallah … Weil ich ja reden muss, und denken, und tun, und machen.“
Er ﷺ sagt: „Mach die Augen zu. Ich sag jetzt dreimal zu dir, La ilaha illallah. Und dann mach ich die Augen zu und du sagst zu mir dreimal, La ilaha illallah.“
Das haben sie gemacht. Er hat die Augen zugemacht — der Prophet ﷺ — hat es dreimal gesagt, hat es in sein Herz reingegeben. Ab dem Zeitpunkt hat das Herz von Sayyidina Ali immer La ilaha illallah gesagt — immer. Und als Bestätigung hat er es dem Propheten ﷺ gesagt. Deswegen hat Sayyidina Ali vierzig Tariqats. Er ist der Initiator von vierzig Sufi-Orden. Und er ist der, von dem der Prophet ﷺ gesagt hat:
„Wer in das Gesicht von Sayyidina Ali schaut, ist in Ibada.“
(Hadith)
Wer Sayyidina Ali anschaut, ist in Ibada. Ja, was verstehen wir? Nix natürlich. Aber wir sagen — wir nehmen mal an, dass diese Initiation sehr wichtig ist. Der Sheikh hat es ja schon gesagt, Dhikrullah Khafi ist Naqshbandi-Dhikr im Herzen. Und das kannst du nicht lernen, mit Gebrauchsanweisung oder so: „Ich habe jetzt so und so viel gemacht, und jetzt muss aber dieses Ergebnis sein.“ (Sheikh Hassan tippt auf einem imaginären Taschenrechner).
Der Sheikh gibt es dir, wenn es soweit ist. Der Sheikh initiiert — so wie der Prophet ﷺ Sayyidina Ali initiiert hat, so initiiert dich Maulana Sheikh Nazim, so initiiert dich Maulana Sheikh Mehmet — die Naqshbandi-Shuyukh initiieren dich, wenn es soweit ist. Und wenn es soweit ist, dann ist es soweit. Und es ist dann soweit, wenn der Zeitpunkt kommt, wo Allah schon längst geschrieben hat, dass dein Herz aufgeht und dass du verschwindest, dass du verzichtest auf deine Persönlichkeit, auf alles, was damit zu tun hat — der Zeitpunkt ist geschrieben. Es wird nicht eine Minute vorher und nicht eine Minute nachher passieren. Es wird genau dann passieren. Der Sheikh gibt es dir ins Herz, InshaAllah. Das wünsche ich allen. Das wünsche ich mir, das wünsche ich allen meinen Brüdern, MashaAllah.
Das ist schon so ein Geschenk, wenn wir auf dem Weg sind. Und es kommt nicht darauf an — auf den Zeitpunkt. Ist das wichtig? Im Tod ist auch okay. Also ich bin ja schon beinahe da, verstehst du? (Scheikh Hassan hält sich die flache Hand an die Stirn, als ob er den Horizont absucht.) Wenn dann der Sheikh kommt und sagt, „Moment, der gehört zu mir hier. Den könnt ihr nicht einfach so befragen. Fragt mich erst mal, ob ich überhaupt Erlaubnis gebe.“
Ja, der Sheikh hat sich das ausbedungen. Der hat nicht einfach gesagt, „Ich bin jetzt der Khalifa von Großsheikh“. Er hat gesagt: „Nur wenn ich das kriege [die Shafa‘at für seine Gemeinschaft].“ Die Barmherzigkeit ist ohne Ende, MashaAllah. Mabruk, Mubarak und Alhamdulillah. Möge Allah unsere Herzen öffnen und uns standhaft machen. Wegen der Ehre — nicht wegen irgendwas, nee, das ist uninteressant — wegen der Ehre für den Propheten ﷺ, wegen der Ehre für den Sheikh, oder? Es geht nicht um uns. Gar nicht. Überhaupt nicht. Keineswegs. Es geht um den Sheikh. Ehre, verstehst du? Das ist ja schon geschenkt. Wieso machst du es? Warum denn? Aus Ehre zum Sheikh.
Guck mal, bei mir wird gar nicht mehr aufgeschrieben. Ich mach schon — darf ich gar nicht sagen, was ich alles mache, ihr seid ja noch nicht da — aber ich bin ja schon … (Er führt eine Bewegung aus, als würde jemand Zeilen in einem unsichtbaren Buch durchstreichen). Aber für die Ehre vom Sheikh machst du es nicht, oder? Das ist Adab.
„Adab Ya Hu!“
(Motto der Naqshbandi-Tariqat)
Adab ist das Größte. Nur das Adab führt dich zum Ziel, führt uns zum Ziel — nur das Adab. Nicht dein Wissen, dein Können, was du über dich denkst, was du über andere denkst, was du machst, deine Taten, dies, das, alles, was du Tolles gemacht hast. Nee. Nur dein Adab. Adab Ya Hu.
Große Sprüche — der Schlimmste von allen macht große Sprüche. Ich wünsche es einfach für uns alle, InshaAllah. (Sheikh Hassan legt seinen Kopf in den Nacken und schaut mit gehobenen Armen nach oben): „Sheikh, guck mal, was sollen wir machen? Wir reden so daher, einfach so, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Aber guck auf unsere Herzen — alle, von allen — zusammen, InshaAllah. Mögen wir alle sagen: ‚Nach dir, nach dir, nach dir. Geh du zuerst ins Paradies, nach dir.’ So wie du es uns vorgemacht hast, InshaAllah.“
Wa min-Allahi at-taufiq, bi hurmati
Al-Fatiha.
