Sohbat Sheikh Hassan
Juma, 11. September 2026, Osmanische Herberge Kall
Intention für eine kleine Sohbat. Sohbat ist immer mit dem Sheikh. Da ich kein Sheikh bin — hier sind vielleicht ein paar Sheikhs, das reicht ja schon. Aber unsere Intention ist, wir verbinden uns mit unserem Sheikh, vom Herzen her. Wir bitten um Erlaubnis, und er verbindet uns, InshaAllah.
Meistens hast du einen Grund, wenn du ihn um Verbindung fragst, weil — wenn du nicht mehr weiterkommst, steht das Nafs dazwischen, die Triebseele. Die Triebseele ist Shaytan, Shaytan ist die Triebseele — das sind nur zwei Aspekte von Shaytan. Triebseele (Nafs) und Shaytan sind eigentlich eins. Die erscheinen als zwei, zwei Aspekte. Die stehen dazwischen. Und wenn wir in Ghafla sind, in Unaufmerksamkeit, dann bleiben wir da stecken. Und manchmal scheint es keinen Ausweg aus der Depression, aus der Wut, aus der Traurigkeit, aus der Verzweiflung, aus der Dunkelheit zu geben. Man sitzt fest. So was gibt es, habe ich gehört — habe ich gehört und erlebt, auch, und erlebe ich noch.
Und dann hilft Allah natürlich. Allah ist der Helfer, Muin al-Ajizin — der Helfer der Bedürftigen. Wir sind bedürftig, schwach erschaffen. Wie Allah selber festgestellt hat und das selber gewollt hat, hat Er uns schwach erschaffen. Und Er ist der Helfer der Schwachen. Du musst nichts weiter als wollen. So einfach ist das. Das weiß man auch in der Psychologie, oder überhaupt im menschlichen Leben.
Du willst jemandem helfen, weil du siehst, dass er Hilfe braucht. Du bist ein Guter — du möchtest ein Guter sein, du willst ein Helfender sein und du möchtest ihm helfen, und der braucht Hilfe. Einer braucht Hilfe und dann lässt er sich nicht helfen. Der will die Hilfe nicht, der will deine Hilfe nicht, also bleibt er da. Das ist die einzige Bedingung für einen traumatisierten oder psychisch kranken, einen geistig kranken, geistig unbalancierten Menschen. Die einzige Bedingung ist es eigentlich — die einzige —, sich helfen zu lassen, wenn er Besserung will; dass er es zulässt; dass er sagt: „Ja, ich nehme es an.“ Das ist das Einzige.
Aber der Mensch ist stur. Mawlana Sheikh Nazim hat oft gesagt, eine der schlimmsten Eigenschaften — oder die schlimmste Eigenschaft des Menschen — ist seine Sturheit. Seine Starrköpfigkeit, sagt man auf Deutsch — Deutsch ist eine gute Sprache — starrköpfig, stur. Auf Englisch, Hardhead. Der will nicht, dass ihm geholfen wird. Und die schwer Traumatisierten, die psychisch Kranken, die dann auch in der Psychiatrie drin sind und schon lange in Behandlung, die wollen schon gar nicht, dass man ihnen hilft. Die gehen immer zum Arzt. Denen kannst du alles wegnehmen, aber nicht ihre Krankheit.
„Nimm mir nicht meine Krankheit weg. Das ist das Einzige, was ich noch habe, dass ich dann reden kann mit jemandem. Mit mir redet ja keiner mehr, weil ich eben verrückt bin. Ich bin einsam. Der Einzige, der mit mir redet, ist der Doktor. Ja, jeden Mittwoch habe ich eine Therapiesitzung, und da redet der mit mir. Und Alhamdulillah, wenn ich jetzt auch noch gesund werde, dann habe ich den ja nicht mehr.“
Solche komischen Sachen gehen in den Menschen vor. Das ist jetzt ein bisschen übertrieben und sollte scherzhaft sein, aber im Leben lassen sich Leute nicht helfen — und das ist die Bedingung, dass es uns besser geht. Und es soll uns besser gehen. Wie geht es uns besser? Geistig geht es uns besser. Es kommt nicht auf das Materielle an. Das Materielle ist ein Witz — es ist geschenkt. Das Materielle kriegst du geschenkt, eben mal so geschenkt. Von wem? Von Razzaq, von Allah. Wenn du dir da Sorgen machst, dann machst du eben Sorgen, okay.
„Ich habe nicht gesagt, du sollst dir Sorgen machen“, sagt Allah. „Ich habe gesagt, du sollst auf Mich vertrauen. Und Ich gebe dir schon alles.“ Alles — materiell und geistig. Alles. Du musst nur wollen. Du musst nur sagen: „Bitte, bitte. Ya Allah, bitte.“ Deswegen hat Sheikh Nazim immer gesagt, „Frag, frag. Frag immer mehr.“ Wenn du schon was bekommen hast, frag wieder neu. Frag noch mehr. Denn Er hat Schätze ohne Ende. Das hört nie auf. Da kannst du immer fragen. Immer.
So ist es auch mit der Rabita. Rabita ist einfach. Wenn du festsitzt und nicht weiterkommst, dann machst du Rabita. Deswegen machen wir in der Sohbat Rabita. Wir machen Rabita. Wir sagen, „Sheikh, Sheikh, wir haben nichts. Wir haben nichts. Wir haben hier einen Idioten sitzen, der redet — den hast du selber mal eingesetzt, einer muss ja reden —, aber wir haben nichts, ohne dich, es ist gar nichts. Wir bitten, unsere Herzen mit deinem Herzen zu verbinden. Bitte, lass dein Herz hier sein. In allen Herzen — in jedem Einzelnen und in allen zusammen.“ Das ist unsere Bitte. Das ist die Bitte, wenn wir sagen, „Madad ya Sayyidi. Madad. Unterstütze uns. Lass uns mit deinem Herzen sein.“
Und mehr machen, mehr ist nicht — mehr kannst du nicht machen. Du kannst es nicht erzwingen oder sagen, „Guck mal, ich habe jetzt zwei Rakats gebetet und noch Qul Huwa Allahu Ahad rezitiert, und jetzt will ich aber auch Rabita. Und ich habe so viel gemacht.“ Ne, ne, so funktioniert es nicht. Wer bist du denn? Wie willst du denn Rabita machen? Weißt du, was Rabita ist? Nein. Du kennst das Wort. Und du weißt, dass es Beziehungen zwischen zwei Herzen sind. Und noch was? Noch was? — Nur wenn er dich verbindet. Der Sheikh verbindet dich. Und es ist leicht. Heute ist es leicht. Endzeit. Schluss. Nur Dreck. Du siehst nichts anderes außer Dreck auf der Welt. Nur Lug, Trug, Töten, Idiotie, Wahnsinn — ohne Ende. Deswegen sagt Allah:
„Okay, es ist Akhir Zaman — da mache Ich es für Meine Gläubigen leicht. Ich mache es ihnen immer leichter, je schwerer es wird. Jeden Tag wird es schwerer, deshalb mache Ich es Meinen Gläubigen jeden Tag leichter. Weil — die sind Meine.“ Oder? „Die sind Meine. Nach denen schaue Ich. Ich bin der, der guckt. Und ich habe natürlich Meine Leute, Meine Heiligen — Meinen Propheten, sallallahu alayhi wa sallam, und die, die nach ihm kommen, seine Erben. In jeder Zeit schicke Ich sie“, sagt Allah. „Ich schicke sie immer. Die sind immer da. Solange diese Welt besteht, gibt es diese Heiligen, gibt es die Freunde Allahs, gibt es die Sadiqin. Sie sind da, und Ich setze sie ein, damit sich die Leute mit Mir verbinden.“
Die Verbindung ist eigentlich mit Allah, aber durch den Sheikh. Dann sagst du zum Sheikh: „Sheikh Efendi, ich brauche die Verbindung. Ich möchte mit dir zusammen sein — mein Herz mit dir. Ich komme nicht weiter. Gar nicht.“ Dann verbindet er dich. Und heute dauert es nur zwei Sekunden und du bist verbunden. Einmal an ihn gedacht — Zack. Nicht wie früher. Vor 600 Jahren war es ein anderes Maß, da wurdest du nicht einfach so in die Tariqat aufgenommen. Nicht so wie heute: Immer Bayat (Sheikh Hassan hebt die rechte Hand nach vorne wie bei der Bayat). Bayat erneuern. Dann wieder weg. Bayat. Weg. Bayat. Amanu. Kafaru. Amanu. Kafaru. Amanu.
Immer offen — die Tür ist immer offen. Alhamdulillah. Früher war das anders. Da wurdest du 1000 Tage getestet. Ich wurde auch noch 1000 Tage getestet, in meiner Zeit, 1973 oder 1974. „1000 Tage“, hat der Sheikh gesagt, mein erster Sheikh. „Gucken wir erstmal.“ Nicht einfach so aufnehmen und so. Da gibt es viele Geschichten im Naqshbandiyya, dass man nicht einfach aufgenommen wurde. Da gibt es ja ganz viele Geschichten. Und so war es auch. Und so war es auch mit Rabita. Da musstest du einen bestimmten Zustand haben, musstest du bestimmte Übungen machen, eine bestimmte Konzentration entwickeln, deine Vorstellungskraft benutzen, und dies und das — bis du bereit warst zur Rabita. Heute ist es einfach. Du denkst an den Sheikh — Zack. „Sheikh. Madad. Madad.“ Und — der ist da. Und du musst es annehmen. Du musst es wollen und du musst es annehmen. Und sofort — also, ich bin Zeuge — nach zwei Minuten, manchmal ist nach zwei Minuten schon Änderung. Manchmal nach fünf Minuten. Manchmal nach zehn. Und dann merkst du plötzlich: „Ah, da hat sich was verändert.“
Mawlana Sheikh Mehmet ist da. Er ist so was von präsent — ohne Ende. Da muss man vertrauen. Mawlana Sheikh Nazim auch, natürlich. Wer es gewohnt ist, mit Mawlana Sheikh Nazim Rabita zu machen, hat die Erlaubnis, dies zu tun, hat Sheikh Mehmet gesagt. Mawlana Sheikh Mehmet ist auch da. Und er kennt jeden, er kennt jeden. Da musst du nicht denken, „Der ist jetzt neu und so, der Sheikh Mehmet und — ja, Khalifa und so.“ Ne, ne. Der hat jeden auf dem Zettel — jeden, und noch mehr — genau auf dem Zettel. Alhamdulillah, was für ein Geschenk. Das sind unsere Geschenke.
Das ist das Dua, was wir machen, wenn wir kopflos sagen:
„Rabbana atina fid-dunya hasanatan, wa fil-akhirati hasanatan …“
(Qur’an, 2:201)
„Gib uns hier Hasanat und dort — im Jenseits — Hasanat.“ Was ist die Bedeutung davon? Wer ist der Beste von allen Interpreten, Koraninterpreten? Jafar as-Sadiq. Der ist bekannt. Jafar as-Sadiq ist der beste und berühmteste Interpret des Korans. Und der hat gesagt, dass es bedeutet, „Lass mich hier mit den Heiligen sein und lass mich dort mit den Heiligen sein.“ Das heißt Hasanat. „Atina fid-dunya hasanatan, wa fil-Akhirati hasanatan“ — lass uns hier mit den Heiligen sein, mit den Sadiqin sein, und dort mit den Sadiqin sein. Lass uns hier mit Deinen Awliya, mit Deinen Freunden sein und lass uns dort mit Deinen Freunden sein. Oder? Noch was?
Das sind gute Nachrichten. Du müsstest immer gut drauf sein — im Prinzip —, immer nur lachen. Das Einzige, was dich traurig macht, ist das Nafs — das Nafs, die Triebseele —, dieser Shaytan, der es schafft, dich zu kontrollieren. Der kontrolliert dich. Der hat immer noch die Kontrolle — von Zeit zu Zeit, oder meistens, oder — unterschiedlich. Der kontrolliert, und du fällst drauf rein. Du fällst noch oft drauf rein und bist dann unter seiner Kontrolle. Und das macht dich traurig — das macht dich traurig und im Grunde verzweifelt. Es ist eine Katastrophe.
Als ich mal zum Arzt gegangen bin … Seit meiner Operation muss ich ja immer mal wieder zum Arzt. Und dann habe ich immer die Pillen verweigert von dem. Da war der schon sauer auf mich. Und dann sagt der zu mir, als ich einmal kam — einmal im halben Jahr muss ich zu einer größeren Prüfung, da machen sie so Ultraschall und so —, und dann guckt er in den Ultraschall und sagt: „Katastrophe, Katastrophe, wir sind in einer Katastrophe.“ Wenn es nach dem ginge, müsste ich schon tot sein. „Katastrophe.“ Da habe ich mich immer gefragt, „Was meint der damit und so?“ Und dann habe ich mal so ein bisschen drüber meditiert, habe mich gefragt, „Herzkrank? Ja, mein Herz ist krank, das stimmt — auf andere Weise. Und das ist eine Katastrophe, das stimmt.“ Es ist eine Katastrophe — von Shaytan beherrscht zu werden, von der Triebseele beherrscht zu werden, ist eine Katastrophe. Das kannst du nicht anders nennen, das ist eine Katastrophe. Das ist Anti-Leben.
Für einen Muslim und für einen Mumin darf das gar nicht, überhaupt nicht in Frage kommen. Der wird Fehler machen kurzfristig und ausrutschen, aber er wird sofort aufstehen. Er wird sofort aufstehen, und er wird nicht zweimal in die gleiche Falle tappen. Er hat die höchste Beratung, die aufmerksamste, höchste und beste Beratung, nächste Beratung, intimste Beratung, schönste Beratung, ständige Beratung — ununterbrochene Beratung hat der Mu‘min. Und der Muslim auch, wenn er seinen Weg ein bisschen ernst nimmt, oder?
Möge Allah uns schützen, InshaAllah, vor Shaytan, Dunya, Hawa, Nafs — das sind alles illusionäre Feinde, aber die haben … Das ist wie Magie. Das ist so wie schwarze Magie. Die üben schwarze Magie aus. Die ganzen Medien sind voll von schwarzer Magie. Das Fernsehen ist voll von schwarzer Magie — das ist schwarze Magie in Film und in Wort, das ist nichts weiter als schwarze Magie. Das ist Illusion — verpufft. Wenn die Wahrheit kommt, dann — pffff. (Der Sheikh macht eine Geste, als würde eine Wolke verpuffen.) Wenn Mahdi kommt, alayhi salam, dann — pfff. Das ist alles weg plötzlich. Der sagt einmal: „Allahu Akbar, Allahu Akbar, Allahu Akbar.“ Wo waren die denn? Es ist Magie. Und dagegen gibt es weiße Magie.
Oh, meine Brüder und Schwestern, und ich sage es zu mir selber: Da ist die weiße Magie. Bismillahir-Rahmanir-Rahim ist die weiße Magie. Qur’an ist weiße Magie. Dhikr ist weiße Magie. Alles Gute, was du denkst und sagst, ist weiße Magie. Und besonders das, was empfohlen ist, das ist weiße Magie — das geht dagegen. Vielleicht ist das auch magisch und gibt dir Kraft. Warum hat Mawlana denn zwei Jahre lang morgens immer gesagt, „Say: Bismillahir-Rahmanir-Rahim“ — auf seinem Stuhl, nach dem Fajr, in seinem letzten Jahr, kontinuierlich, jeden Morgen. Warum sagt er das? Das habe ich mich immer gefragt. Wieso sagt er immer, „Say, Bismillahir-Rahmanir-Rahim.“ „Say Bismillah.“ Nochmal, nochmal. Nochmal, zehn, zwanzig mal. Dann haben die schon alle gedacht: „Ja, der ist schon alt und so. Der ist schon neunzig. Und so, naja …“ Manche haben es echt so gedacht.
Da gab es Abteilungen in unserer — nicht in unserer, in der Naqshbandiyya Tariqa, sagen wir mal —, die haben ihn dann Großsheikh genannt. Die sind ja selber schon Sheikhs — da haben die dann plötzlich gesagt zu Sheikh Nazim, „Großsheikh“. „Der Großsheikh hat gesagt …“ Wieso ist der denn jetzt plötzlich Großsheikh? Großsheikh war doch immer Sheikh Abdullah Faizi Daghestani, der schon im Akhira ist. Mawlana sitzt doch auf seinem Stuhl. „Der ist der Großsheikh. Nee, nee, der ist der Großsheikh. Der wiederholt sich“, haben sie gesagt. „Der weiß vielleicht nicht mehr so genau …“ Der wusste ganz genau. Dem Esel musst du tausendmal dasselbe sagen — tausendmal. Und es reicht nicht, weil der stur ist. Der Sturste ist der Esel, wie es im deutschen Volksmund heißt. Dann hat Mawlana Sheikh Nazim gesagt, „Bismillahir-Rahmanir-Rahim. Say, Bismillahir-Rahmanir-Rahim.“ Und wenn der gesagt hat, „Bismillahir-Rahmanir-Rahim“, dann war Bismillahir-Rahmanir-Rahim.
Du musst natürlich dran glauben und es mit Überzeugung sagen. Wenn einer autogenes Training übt — ja, Herr Meier, dein Nachbar:
„Was machen Sie?“
„Ich mache autogenes Training.“
„Was ist das denn?“
„Ja, ich stelle mir vor … Ich sage zu mir: ‚Ich bin gut, ich bin gut, ich bin gut, ich bin gut, ich bin gut.’ Und: ‚Ich habe die Kraft und ich kann mein Leben meistern.’ “
Autogenes Training. „Er redet sich das ein“, würdest du dann sagen.
„Das reden Sie sich ja nur ein.“
Nee, nee, das ist autogenes Training. Das hat er mehr drauf als ein Muslim. Muslime lehnen Dhikr ab, oder? Jetzt haben wir auch diejenigen, die sagen: „Mach kein Dhikr. Das ist Bidah. Bidah. Shirk.“ Nein! Das musst es benutzen, man muss es immer benutzen. Und immer mit dem Sheikh, immer mit Rabita. Möge Allah uns helfen, InshaAllah.
Wa min-Allahi at-taufiq, bi hurmati
Al-Fatiha.
